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Artur Worseg im Café der Privatklinik Währing
Artur Worseg

Schönheitschirurg

Leben
11.09.2020
Prim. Univ.-Doz. Dr. Artur Worseg ist Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie. Durch Auslandsaufenthalte, beispielsweise an der Universitätsklinik von Shanghai oder an zwei Universitätskliniken in den USA, hat er sich schon zu Anfang seiner Karriere an internationalen Standards orientiert.1998 gründete er das Aesthetics Center Wien, 2012 gemeinsam mit Partnern sein Institut Worseg Clinics, und 2016 übernahm er die ärztliche Leitung der Privatklinik Währing. Österreichweite Bekanntheit erlangte er vor allem durch diverse Reality- Formate des TV-Senders ATV. Er avancierte damit zum Promi-Schönheitschirurgen der Nation.

Wenn du mich so ansiehst ... wo könnten wir der Natur unter die Arme greifen? (Für alle Leserinnen und Leser: Ein Foto von mir ist hier zu finden.)

Ich sehe jetzt nur das Gesicht. Da kann ich nicht viel sagen.

Ich kann auch kurz aufstehen.

Gute Figur. Leicht gebückte Haltung, aber gut, das ist jetzt wegen des Kabels vom Mikrofon. Wenn du dich nochmal hinsetzt und ich dich anschaue ... vielleicht die Lider, rein vom Ästhetischen her. Du hast ganz leichte Schlupflider, die einen müden Gesichtsausdruck machen. Das könnte ich mir vorstellen anzupassen. Sonst fällt mir nichts auf.

Dr. Petra Hirtler, Expertin für minimal-invasive Eingriffe, hat im Interview erklärt, dass sie Schönheit mit einem glücklichen Lächeln definiert. Da du nicht nur minimal-invasiv eingreifst, sondern auch chirurgisch, nehme ich an, dass du eine andere Definition vertrittst?

Ich glaube, sie wird dasselbe gemeint haben, was ich auch meine. Schönheit ist etwas Persönliches und Individuelles. Daher: Schönheit ist, wenn man sich selbst gefällt, und dann lächelt man vielleicht glücklicher.

Wie oft bist du mit Fällen konfrontiert, bei denen nichts zu machen ist, weil einfach zu viel zu machen wäre?

Zu viel zu machen bedeutet, dass man sich überhaupt nicht gefällt und sich selbst überhaupt nicht mag. Das hat nur zum Teil mit dem Aussehen zu tun. Das hat viel mit der Psyche und dem ganzen Wesen an sich zu tun. Wenn dem so ist, dann kann ich tatsächlich nicht viel machen. Die Unzufriedenheit mit dem Aussehen ist ein Spiegelbild des eigenen Inneren. Wenn man sich selbst nicht gefällt und sich nicht wohlfühlt, hat das in vielen Fällen mit der Psyche und der Vergangenheit zu tun. Sicherlich auch mit dem modernen Medienbild von Schönheit. Primär hat es allerdings schon mit den eigenen Gefühlen zu tun.

Arbeitest du dann auch oft mit Psychiatern, Psychologen oder Psychotherapeuten zusammen?

Teilweise, wenn es um schwerere Fälle geht. Aber es ist ja nicht jeder, der sich nicht wohl in seiner Haut fühlt, reif für den Psychiater. Es geht oft um Tages- oder Lebensabschnittsverfassungen. Nach einer Trennung oder während beruflicher Probleme wird man sich schlechter fühlen. Da hat man oft das Gefühl, dass die Gründe das Aussehen oder das Alter sind. Da braucht man wahrscheinlich keinen Psychiater, sondern eher gute Freunde oder Selbstreflexion. Dafür bin ich allerdings nicht der Richtige. Ich hoffe aber, dass der Trend in diese Richtung geht, denn dann hätte ich weniger zu tun.
Artur Worseg im Café der Privatklinik Währing

Schönheitsideale gibt es nicht erst, seitdem Claudia Schiffer die internationalen Laufstege erobert hat. Wenn man an die Büsten der alten Griechen oder Römer zurückdenkt oder die Sphinx der Ägypter, handelte es sich dort bereits um schlanke, durchtrainierte Körper mit geradlinigen Gesichtern. Also ... eigentlich alles beim Alten und keine neuen Trends.

Nicht wirklich. Es gibt schon auch Schönheitsideale, die sich im Lauf der Zeit ändern. Aber eben auch welche, die sich nicht ändern. Bei Frauen gibt es Untersuchungen zum Verhältnis zwischen Taille und Hüfte. Eine schmälere Taille und eine bereitere Hüfte entsprechen über alle Zeiten hinweg einem Schönheitsideal – oder, wenn man so will, einem Männerideal. Das hat etwas mit Weiblichkeit und Empfängnisbereitschaft zu tun. Bei Männern waren es schon immer der muskulöse Körper und schmalere Lippen. Es gibt also schon Merkmale, die das andere Geschlecht ansprechen. Das spielt zusammen und ist verzahnt ineinander.

Ansonsten hat Schönheit seit jeher etwas mit Symmetrie und Proportionen zu tun – sowohl bei Gesichtern als auch beim Körperbau. Man hat dabei ein angenehmeres Gefühl als bei Asymmetrien, weil dort anscheinend irgendetwas nicht stimmt. Dick oder dünn ... das ist eher eine Zeitgeisterscheinung.

Wenn du von schmalen Lippen bei Männern als Schönheitsideal sprichst, dann wäre ich deiner Meinung nach gesegnet. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob vollmundigere Lippen nicht doch besser ankommen, weil sie eher aussagen, dass man ein guter Küsser sei.

Schmale Lippen mit kräftigerem Kinn sind definitiv männlicher. Volllippige oder vollmundigere Männer entsprechen damit eher unserem androgynen Zeitgeisttyp. Das hat aber sicher nichts mit dem klassischen Männerbild zu tun. Definitiv nicht!

Also bin ich zeitlos ...

... zeitlos, genau! (lacht)

Du hast dich in deiner Karriere bereits in frühen Jahren mit Spiritualität beschäftigt und ein halbes Jahr im Kloster bei Shaolin-Mönchen verbracht. Wie sehr spielt Spiritualität in deinem Beruf eine Rolle, wie wichtig ist sie?

Für mich ist Spiritualität immer wichtig gewesen. Und mit zunehmendem Alter wird sie nicht nur wichtiger, sondern ist wahrscheinlich das Wichtigste in meinem Leben. Was auch immer ich mache und wo auch immer ich hinkomme: Es wird von meiner Selbstreflexion, meiner Spiritualität und meiner Sicht der Dinge überlagert. Ich habe dahingehend kein Sendungsbewusstsein, aber wenn ich’s hätte, würde ich probieren, andere Menschen auf diesen Weg zu bringen. Einfach weil es ein wichtiger Weg ist, der den Horizont und das Universum erweitert – und das Älterwerden erleichtert!

Wenn man jung ist, ist es lustig und eine Hirnwichserei, über Dinge zu diskutieren und zu philosophieren. Man versteht es allerdings oftmals noch nicht. Wenn man älter wird, dann versteht man es oder glaubt es zumindest. Weil das, was vor einem ist, begrenzt ist. Man macht sich zunehmend Gedanken: Woher komme ich, wohin gehe ich, was passiert dann, warum haben sich Dinge im Leben ergeben, was war Schicksal, was war ich selbst ... und so weiter. Man beschäftigt sich also mehr mit Dingen, die zwangsläufig in einer Spiritualität enden.

Woher kommst du, wohin gehst du?

So konkret ist es nicht. Spiritualität bedeutet, über sein »Ich«, sein »Mein« und seine Person als Einziges und Unverrückbares im Leben hinauszudenken. Es geht darum, sich als Teil einer Gesamtheit einer Sache zu sehen, wie auch immer man das nennt. Es relativiert vieles.
Artur Worseg im Café der Privatklinik Währing

Ist an dir etwas gemacht?

An mir ist nichts gemacht, nein.

Nie überlegt?

Schon überlegt. Als Jugendlicher war mir mein Hinterkopf zu flach, meine Nase zu groß, meine Lippen zu schmal und mein Kinn zu weit hinten. (lacht) Alle Ängste und Unsicherheiten, die man halt so durchmacht, wurden durchtaucht. Ich habe also nicht einfach mal schnell zugegriffen bezüglich einer Veränderung. Heute ist das ja relativ einfach. Es hat sich alles von selbst aufgelöst und ich bin heute zufrieden. Ich bin nach wie vor auf meinen Körper fixiert, aber eher im Hinblick auf Gesundheit. Und auch, was den üblichen Zeitgeist betrifft, wie beispielsweise keinen Bauch zu haben und bissl was gleich zu schauen. Aber an mir etwas zu verändern würde mir nicht einfallen.
»Als Jugendlicher war mir mein Hinterkopf zu flach, meine Nase zu groß, meine Lippen zu schmal und mein Kinn zu weit hinten«

Wie stark muss dich dann ein Patient oder eine Patientin überzeugen, um etwas an ihm oder ihr zu verändern?

Damit kommen wir zur Spiritualität zurück: Man darf nicht unterschätzen, wie viele Menschen eine spirituelle Ader in sich haben – Menschen, die sich bewusst mit Spiritualität beschäftigen oder die Gabe dazu haben. Spirituelle Menschen haben eine gewisse Gabe, sich untereinander zu spüren. Und viele Leute, die zu mir kommen, haben sich mit sich selbst beschäftigt. Wenn das so ist, dann spürt man, warum die Person da ist, was sie will und wie realistisch das ist. Dann kommt noch der Teil dazu, den ich objektiv nachvollziehen kann. Wenn das zusammenpasst, werde ich mir leichter tun, jemanden zu operieren. Wenn ich merke, dass sich der Wunsch nach Veränderung eher in einem zerstörten Selbstbild abspielt, dann tue ich mir schon schwer. Das ist dann eine gewisse Grauzone, in der man sich als Arzt – vor allem als kosmetischer Chirurg oder Wunschmediziner – bewegt. Da stellt man sich dann schon die Frage: »Wenn ich es nicht mache, macht es dann ein anderer?« Und dann gibt es natürlich Leute, bei denen alle Alarmglocken läuten. Wo man merkt, die haben ein anderes Problem. Die behandle ich nicht.

Kannst du verraten, welche Promis bei dir bereits unterm Messer gelegen sind?

Es waren schon viele Promis bei mir. Namen will ich allerdings keine nennen. Aber: Wenn die bei mir liegen, sind die wie jeder andere. Es macht keinen Unterschied, ob jemand aus dem Gemeindebau, vom Land oder aus Amerika kommt. Die haben dieselben Ängste und dieselben Körperlichkeiten. Das ist alles gleich. Promi ist sehr relativ, sagen wir so. Besonders was It-Girls und Pseudo-Promis betrifft. Viel steckt da nicht dahinter.
»Man kann Schönheit besitzen, aber die Schönheit soll einen nicht selber besitzen«

Ich kann mir vorstellen, dass es auch abseits von klassischen Promis nicht einfach ist. Sei es als Geschäftsführer oder als Politiker, wenn man etwas zu repräsentieren hat und glaubt, durchs Aussehen kann man etwas ändern, obwohl es vielleicht eher an der Spiritualität liegt.

Es ist für mich oft schwer nachzuvollziehen, gerade wenn du manche Gespräche nachwirken lässt. Vor allem wenn du Führungspositionen oder Leute in der Politik ansprichst. Von denen sollte man annehmen, dass die mit sich selbst im Reinen sind, um Konzerne zu leiten und gesellschaftspolitische Entscheidungen zu treffen. Die sind aber manchmal sehr schwach sich selbst gegenüber. Das macht mir manchmal Angst. Je nach Intellekt findet natürlich jeder eine Ausrede für sich. À la »Flucht nach vorne« oder »Wenn man’s machen kann, dann macht man’s halt«. Das sind so Entschuldigungen. Aber für Leute in gewissen Positionen ist es eben schon schwach, wenn sie nicht mal mit sich selbst im Reinen sind. Das ist meine feste Überzeugung. Das macht mir Angst, weil ich werde ja schließlich auch von solchen Leuten geleitet.

Ich habe vor einiger Zeit eine Person kennengelernt, die in einer Führungsposition tätig ist. Diese Person war noch keine 40 und hat sich sehr über ihre Körperlichkeit und Wirkung Männern gegenüber definiert. Es hat mich überrascht, dass jemand, der scheinbar so tough wirkt, sich in Wirklichkeit selbst total reduziert.

Man kann Schönheit besitzen, aber die Schönheit soll einen nicht selber besitzen. Das gilt für Geld, für Reichtum, das gilt für alles. 

Wie viel verdient man eigentlich als ärztlicher Leiter einer Privatklinik, Gründer eines eigenen Instituts und bekanntester Schönheitschirurg des Landes?

Verdienen tut man in einer Ordination mehr. Das weiß ich, weil ich selbst so angefangen habe. Früher habe ich also besser verdient. Je größer man wird und je mehr Anerkennung, Ehre und Verantwortung man hat, desto angenehmer ist die Aufgabe. Man hat ja gewisse Motivationspyramiden im Leben, und eine gewisse Anerkennung und Selbstbestimmung gehört zur Selbstverwirklichung dazu. Die Passion dafür ist dann wichtiger als Geld. Aber: Es geht mir gut. Ich muss nicht aufs Geld schauen, wenn ich mit meiner Frau etwas essen gehe oder meinen Kindern etwas kaufen will.

Du bietest ein breites Spektrum an – Brustvergrößerungen und -verkleinerungen, Brustwarzen- und Schamlippenkorrekturen, Migräneoperationen, Bauchdeckenstraffung, Kinn-, Nasen- und Ohrenkorrekturen, Fettabsaugungen etc. – welche Eingriffe gehören zu deinen Lieblingen, und was machst du nicht so gerne?

Da kommt eine fachliche Eitelkeit dazu, denn man bleibt ja nicht stehen. Es gibt Dinge, mit denen man sich mehr beschäftigt. Und diese Dinge machen einem dann momentan auch mehr Spaß. Es gibt auch gewisse Dinge, die ich heute nicht mehr mache, wie zum Beispiel Penisverlängerungen oder Randgruppenchirurgie. Nicht weil es mich fachlich nicht anspricht. Das wäre sogar sehr spannend! Für gewisse Leute wird mehr als nur Chirurgie benötigt, nämlich Zeit, wenn man beispielsweise an die Adipositas- oder Geschlechtsumwandlungschirurgie denkt. Es ist zwar unendlich spannend, aber die Leute nur zu operieren und dann auf die Straße zu setzen ist zu wenig. Da gehört eine Vor- und Nacharbeit dazu. Man muss da sein, wenn die Leute danach merken, dass es vielleicht nicht das ist, was sie sich nach der Operation im Leben vorgestellt haben – nämlich mehr Glück und Zufriedenheit! Da muss jemand da sein, der sie auffängt. Oder bei Penisverlängerungen: Wenn der sich danach immer noch nicht als Mann fühlt, dann ist die Arbeit für den Chirurgen zwar getan, aber geheilt ist er immer noch nicht.

Nochmals kurz zur Schamlippenkorrektur: Ich hatte nun doch schon ein paar Beziehungen und Romanzen – die Schamlippen haben mich noch nie gestört. Wo sehen Frauen hier ein Problem?

Es ist selten oder fast nie ein kosmetisches Problem, sondern tatsächlich ein funktionelles Problem. Wenn die Schamlippen wirklich zu lange sind, dann leiden Frauen oder Mädels beim Radfahren oder Sportmachen, wenn die links und rechts beim Höschen vorstehen. Es gibt andere Dinge, über die man diskutieren kann. Ob nun ein Analbleaching notwendig ist oder eine G-Punkt- Aufspritzung ... solche Dinge sind Geschmacksachen, die ich nicht mache.

Wie oft ist auf deinem Operationstisch schon jemand gestorben?

Noch nie. Auch nicht im Spital bei meinen Belegärzten. Komplikationen hatten wir schon, allerdings waren wir darauf vorbereiten. Das Damoklesschwert hängt über jedem Chirurgen. Gerade in einer Chirurgie, die eh schon umstritten ist, ob sie überhaupt notwendig ist. Auch wenn man sie rauf- und runterdeklinieren kann über psychische Gesundheit. Dennoch sind es Dinge, die, wenn etwas passiert, doppelt wiegen. Es begleitet mich jeden Tag. Ein bisschen strapaziere ich schon die Statistik. Manchmal denke ich mir: »Hoffentlich geht es sich in meinem Leben noch aus, dass nichts passiert.«
»Aufgesetzte Lustigkeit ist für mich keine Lustigkeit und widert mich nur noch an«

Du hast im 19. Wiener Gemeindebezirk eine eigene Buschenschank. Vor Jahren war ich zu Gast und war überrascht, dass du selbst Brote verteilst und Wein ausschenkst. Sind die Arbeit und Bodenständigkeit dort der Ausgleich zur medizinischen Präzision?

Es gab eine Phase, in der ich das gerne gemacht habe, weil ich auch gerne plaudere. Der Grund für den Heurigen war, meinem Bub, der jetzt 15 ist, ein Aufwachsen in einem Wirtshaus zu ermöglichen. Ich komme vom Land, aus Kärnten, und habe damit Gastro- und Hotellerieerfahrung. Am Land sagt man: »Die Wirtshauskinder sind die besten Kinder.« Das hat schon was für sich, wenn du zwischen den Tischen mit unterschiedlichen Leuten und Reaktionen aufwächst. Du entwickelst eine Sozialkompetenz, die anderswo unerlernbar ist. Seitdem ich die Leitung im Spital übernommen habe, habe ich allerdings nicht mehr die Zeit und Muße dafür. Damit ist es kein Ausgleich mehr. Und mittlerweile mag ich auch keinen Wein und keine Wurschtbrote mehr. Und damit mag ich auch keine Leute mehr, die die ganze Zeit Wein trinken, Wurschtbrote essen und dabei g’scheit reden.

Warum das?

Mir geht die ganze Sauferei auf die Nerven. Vielleicht habe ich einfach zu viele Alkoholiker gesehen. Währenddessen ist man künstlich lustig, und wenn man heimkommt, ist man nur traurig. So ein bisschen wie der Herr Karl vom Qualtinger. Die aufgesetzte Lustigkeit ist für mich keine Lustigkeit mehr und widert mich nur noch an! Vielleicht mach ich aus dem Heurigenlokal ein Kaffeehaus. Ist auch nicht gesünder, aber du gehst wenigstens nicht mehr b’soffen weg.

Du bist heuer 61 Jahre alt geworden. Wie lange wirst du noch das Skalpell schwingen? Du könntest nun sagen, in einem Jahr ist Schluss, und die Preise damit ordentlich in die Luft schrauben.

Ich kann es wirklich nicht sagen. Wenn ich nicht gefragt werden würde – sei es nun von dir oder auch von Patienten –, wäre ich überhaupt nicht auf die Idee gekommen, dass das, was ich mache, zeitlich begrenzt ist. Ich habe nach wie vor Visionen, Ziele und Veränderungen vor mir, die ich sehe. Das konterkariert ein Aufhören. Wahrscheinlich ist es durchs Umfeld limitiert, weil sich die Leute irgendwann denken, dass der Alte jetzt schon zittert. (lacht) Ich wüsste aber auch nicht, was ich sonst machen sollte. Manchmal träume ich davon, im Hintergrund als Coach tätig zu sein. Manchmal träume ich aber auch davon, aufzuhören und etwas völlig anderes zu machen. Es ist allerdings noch zu weit weg auf meinem Radar.

Lieblings-

Buch: Asterix und Obelix (René Goscinny, Albert Uderzo) 
Film: Themroc
Song: A different corner (George Michael) 
Schauspieler/in: Uma Thurman, Robert De Niro
Motto: Lei lossn! Das ist Kärntnerisch und besagt, dass man’s einfach geschehen lassen soll. Das ist meine Lebenseinstellung.
Autor/in: Arthur Schnitzler
Serie: Nip/Tuck – Schönheit hat ihren Preis
Stadt: New York
Land: Italien
Gericht: Palatschinken 
Getränk: Soda-Holunder

Persönliches Mitbringsel

Mein persönliches Mitbringsel habe ich aus China mitgebracht. Ich habe damals einen Ausflug nach Tibet gemacht, habe mich verlaufen und habe drei Tage und Nächte im Dschungel verbracht. Dort habe ich dann mit meinem Leben abgeschlossen und dachte, dass es das war und ich jetzt sterbe. Ich hatte dann keine Ängste mehr. Es war zwar komisch, weil du an die Leute denkst, die du nicht mehr sehen wirst. Aber diese Ruhe, die du bekommst, wenn du aufgibst. Dieser unendliche Friede in dir drinnen. Es hat geregnet, irgendwelche Viecher und Geräusche waren um mich herum – das war der größte Friede, den ich jemals empfunden habe. Und plötzlich war da irgendwo vor mir ein Kloster. Dort habe ich dann diese Figur gekauft, von einem alten Mann. Die begleitet mich schon mein ganzes Leben. Sie relativiert das ganze Leben. Sie zeigt mir, dass eh alles weitergeht, auch wenn du glaubst, dass es das jetzt war. Und die Figur trägt einen Dollarschein. Der ist über 30 Jahre alt. Das war das erste Geld, das ich als Plastischer Chirurg verdient habe. Ich bin danach nämlich zurück nach Shanghai. Dort hat sich eine Chinesin eingebildet, dass ich ihr die Brüste verkleinern muss. Ich, der weiße Arzt, der damals keine Ahnung hatte, wie das geht. Ich habe mir helfen lassen und einen Dollar für die Operation bekommen. Meinen ersten selbstverdienten Dollar. Das habe ich heute das erste Mal jemandem erzählt. Das wusste noch nicht mal meine Frau.
Asiatische Holzfigur mit 1-Dollar-Note von Artur Worseg

Schönstes und negativstes Erlebnis der vergangenen Woche

Schönstes: Das schönste Erlebnis war heute in der Früh. Ich habe zwei kleine Kinder. Als sie sich heute von mir verabschiedet haben, waren wir alle drei aufeinander und haben uns Dreier-Bussis gegeben. Das war das schönste und intensivste Erlebnis auf der Welt, unbezahlbar!
Negativstes: Vor ein paar Tagen habe ich ein Glas Rotwein getrunken am Abend. Ich hatte dann die ganze Nacht Kopfschmerzen und habe dann mich, den Wein und das Leben verflucht.

Berufswunsch als Kind

Der erste Wunsch war Spengler. Später wollte ich Schriftsteller werden. Und dann Praktischer Arzt am Land.

Wen wolltest du immer schon einmal treffen?

Dalai Lama

Teenie-Schwarm

Janis Joplin

Café-Bestellung

Koffeinfreier Cappuccino und Eierspeise

Ort des Interviews

Café Privatklinik Währing
Das Café der Privatklinik Währing befindet sich im Erdgeschoss und ist in schlicht-elegantem Weiß gehalten. Bei Schönwetter bietet sich ein rustikal-uriger Innenhof zum Verweilen an. Zum Gespräch wurden frisch gemachter Zwetschkenkuchen, Eierspeise, Gebäck und Kaffee serviert.