Martin Burkhardt
Gerichtszeichner
Gesellschaft
12.12.2025
12.12.2025
Wozu braucht man heute noch Gerichtszeichner?
Im Gerichtssaal ist es während des Prozesses nicht erlaubt, zu filmen oder Fotos zu machen, zum Schutz der beteiligten Personen, weil es vor allem erst einmal Angeklagte sind und keine Verurteilten. Es kann also durchaus sein, dass die Leute freigesprochen werden, weil sie gar nichts verbrochen haben. Daher ist es wichtig, dass sie im Vorfeld geschützt sind. Auf der anderen Seite hat die Öffentlichkeit das Recht und die Pflicht, das Gericht zu kontrollieren. Daher werden Prozesse öffentlich ausgetragen im Zuge der Berichterstattung. Um das zu erleichtern, gibt es Gerichtszeichner, die Journalisten helfen, Einblicke im Zuge der Berichterstattung zu geben. Im Prinzip mache ich nichts anderes als ein Journalist, nur dass ich nicht mitschreibe, sondern mitzeichne. Wenn Fernsehsender eine Geschichte ohne Bild erzählen würden, hätten sie ein Problem. Um nicht nur einen Moderator mit Mikro zu zeigen oder Personen, die ins Gerichtsgebäude gehen, gibt es die Bilder des Gerichtszeichners. Wir schließen die Lücke zu den Momenten, in denen der Prozess stattfindet.
Sie haben die Wahrung der Persönlichkeitsrechte angesprochen. Gerade wenn man den Fall von Jörg Kachelmann heranzieht, wurde sein Name in den Medien rauf- und runtergespielt, da er eine Person des öffentlichen Interesses war. Durch seine Fernsehtätigkeit wusste man ohnehin, wie er aussieht. Wäre es in solch einem Fall nicht egal, ob nun Fotografen und Fernsehteams dabei sind statt eines Gerichtszeichners?
Die Frage ist wahrscheinlich, wo man die Grenze zieht. Hier kann ich selbst nur spekulieren. Aus meiner Sicht hat jeder Angeklagte das gleiche Recht und muss daher auch gleich behandelt werden.
Wenn man nun eine Zeichnung von jemandem hat und die Person eindeutig erkennbar ist, weiß man trotzdem, um wen es sich handelt. Sie fertigen keine Karikaturen an, sondern probieren, so nah wie möglich an der Realität dran zu sein. Werden die Persönlichkeitsrechte damit nicht dennoch berührt?
Hier müsste man jemanden fragen, der sich rechtlich im Detail damit auskennt. Ich kann dazu nur sagen, dass die Auswahl zur Veröffentlichung das jeweilige Medium treffen muss. Der Sender oder die Zeitung veröffentlicht die Bilder und ist in der Regel daher auch in Kontakt mit der Pressestelle des Gerichts. Manchmal gibt es Vorgaben, dass die Situation, nicht aber die Person erkennbar sein soll. Je nach Entscheidung und Briefing halte ich mich daran. Wie detailliert etwas sein soll und darf, wird zwischen den Medien und dem Gericht verhandelt. Es gab einmal einen Prozess rund um eine Rockerbande, bei dem ein Kronzeuge aufgetreten ist. Der durfte nicht erkannt werden, sonst wäre er Gefahr gelaufen, ein Ziel von der konkurrierenden Bande zu werden. In dem Fall musste die Zeichnung vom vorsitzenden Richter freigegeben werden, weil er sicherstellen wollte, dass meine Zeichnung nicht zum Fahndungsfoto für die konkurrierenden Rocker wird.
Kommt so etwas oft vor?
In der Form nicht, nein. Was bei einem anderen Prozess vorgekommen ist: Die Nebenkläger sollten nicht erkennbar sein, damit sie geschützt sind. In dem Fall wollte die Pressesprecherin einen Blick auf die Zeichnungen werfen. Üblich ist das allerdings nicht. Dabei handelte es sich tatsächlich um Einzelfälle. Wenn dem so ist, erfahre ich das vorher. Mir wird dann gesagt, dass die Person beispielsweise im Zeugenschutzprogramm ist und daher nicht erkennbar sein darf. Ansonsten würde ich nicht zum Gerichtssaal zugelassen.

In der heutigen Zeit gibt es sehr viele technische Möglichkeiten – seit der KI noch mehr als noch vor wenigen Jahren. Das Gericht oder die Medien könnten einen Fotografen engagieren und die diversen Fotos werden durch unterschiedliche Filter zu Zeichnungen oder Illustrationen umgewandelt, wobei man sich den Stil via Klick aussuchen kann. Im Grunde genommen bräuchte man nicht mal einen Fotografen. Es würde reichen, wenn der Praktikant ein paar Bilder mit einem Smartphone macht.
Technisch würde das funktionieren. Ich kann mir sogar vorstellen, dass man eine Skizze aus dem Saal durch KI mittlerweile zu einem Foto machen kann. Sehr interessant, über solche Möglichkeiten nachzudenken. Aktuell ist es allerdings eben noch so, dass man nichts mit einer Kamera aufnehmen darf.
Spannender Gedanke. Gerade bei Skizzen bekannter Persönlichkeiten könnte man mittels KI heutzutage wahrscheinlich relativ einfach und schnell realitätsnahe Bilder anfertigen.
Ja, man müsste mal schauen, was dann dabei rauskommt. Bisher wurde das experimentell noch nicht ausprobiert.
Vielleicht bringen wir durch das Interview manche Medienvertreter auf kreative Ideen und es wird dann anhand dessen ein Exempel statuiert.
Mal kucken. (grinst) Da Gerichtszeichnungen für mich nicht die Haupteinnahmequelle sind, bricht bei mir keine Existenz zusammen, sollte sich das mal in so eine Richtung entwickeln. Pro Jahr habe ich zwei bis drei Fälle. In den Jahren 2009 und 2010 waren es etwas mehr. Was das Einkommen betrifft, ist es allerdings kein großer Bereich. Es handelt sich um eine kleine Sparte, die ich so nebenher laufen lasse und die eine Art von Illustrationen darstellt, die ich gerne anfertige. Öffentlichkeitswirksam sind sie in jedem Fall.
»Der Text entscheidet, wie die Zeichnung interpretiert wird«
Wenn ich es richtig recherchiert habe, war Gerichtszeichner Ihr Studentenjob.
Genau. Ich habe das während des Studiums angefangen. Über die Hochschule kam damals eine Anfrage, auf die ich mich gemeldet habe. Ein Regionalfernsehsender hat einen Gerichtszeichner für einen kleinen Prozess gesucht, um zu schauen, ob das gemeinsam funktionieren würde. Mit der Zeit hat sich daraus mehr entwickelt. Kurz darauf hat das ZDF bei mir angefragt und dann wurde ich bereits von Zeitungen zu dem Job interviewt. Anfänglich war es für eine Regionalzeitung, dann kamen auch Anfragen von der taz und vom Spiegel. Die höchste Resonanz bekam ich über das Magazin der Deutschen Bahn, welches im ICE aufgelegt wurde und eine Doppelseite über das Gerichtszeichnen veröffentlicht hat.
Wie war das gerade anfangs für Sie, wenn man als junger Mensch in einem Gerichtssaal sitzt, in dem womöglich nachhaltig über das Schicksal von Menschen entschieden wird, und selbst ist man die Person, die dem Prozess visuell den medialen Spin verleiht?
Bei den ersten Prozessen macht man sich darüber noch nicht so wirklich viele Gedanken, einfach weil es an sich schon mal aufregend ist, in einem Gerichtssaal mit dabei zu sein. Man ist dann auf seine Arbeit fokussiert, um die Szenerie möglichst detailgetreu auf Papier zu bringen. Erst im Lauf der Zeit ist mir klar geworden, wie die Dinge dann wahrgenommen werden. Dabei handelt es sich weniger um die Zeichnung, die ich anfertige. Die liegt dem Ganzen zugrunde. Entscheidend ist allerdings, wie sie in der Berichterstattung genutzt wird. Der Text entscheidet, wie die Zeichnung interpretiert wird. Wenn ein Autor schreibt, dass die Person herumgealbert hat, wird man das Bild anders sehen, als wenn jemand schreibt, dass die Person nervös oder unbeteiligt war. Dementsprechend werden die Bilder anders wahrgenommen. Die Beschreibung hat damit die Oberhand.
Ähnlich ist es bei Politikern. Ein Bild, das einen Politiker am Boot zeigt, kann ebenso unterschiedlich interpretiert werden. Wenn es gerade gut läuft, ist er der Kapitän, der das Sagen hat. Wenn es allerdings schlecht läuft, wird vom untergehenden Boot berichtet.
Oder vom Rettungsboot. Die Sprache ist nicht im Vordergrund, aber sie ist entscheidend. Erst nimmt man das Bild wahr, aber erst durch den Text bekommt es eine Interpretation.
Vorhin haben Sie vom Zeugenschutz im Zusammenhang mit der Rockerbande gesprochen. Kam es schon einmal vor, dass Sie bedroht wurden? Beispielsweise im Fall von Bildern, auf denen manche Personen nicht erkannt werden durften, von denen Sie aber wissen, wie sie aussehen.
Nein, kam noch nie vor. Was eher vorkommt, ist, dass Leute, die gezeichnet werden, mal in der Pause nachfragen, ob sie einen Blick darauf werfen dürfen – Anwälte, Angeklagte, Beamte. Eher in die Richtung, dass die Leute es interessant finden, meist mit positivem Feedback.
Wer sind dann in der Regel die Eitelsten? Richter, Anwälte, Zeugen, Beschuldigte?
Eitel hat sich bisher eigentlich nur ein Angeklagter gezeigt, der sich nicht getroffen gefühlt hat. Der Journalist, der daneben stand, meinte dann nur ganz trocken, dass das so schon ganz gut passt. Aber klar: Es handelt sich um eine Zeichnung und kein Foto. Sprich: Eine Person wird nicht in all ihren Varianten gezeigt. Es handelt sich also um die Interpretation, die ich mit meinem Können aufs Blatt bekomme. Da ich sehr selbstkritisch bin, habe ich wahrscheinlich höhere Anforderungen als der durchschnittliche Betrachter. Wenn man es nicht gewohnt ist, ist es für die meisten dann doch relativ beeindruckend, was in relativ kurzer Zeit entstehen kann.

Wonach entscheiden Sie, welche Szene oder welcher Gesichtsausdruck festgehalten wird?
Zunächst werde ich vom beauftragenden Journalisten gebrieft, was für seine Berichterstattung wichtig ist. Dann heißt es zum Beispiel, dass Anwalt und Angeklagter in einem Bild zu sehen sein sollen. In einem Prozess waren einmal 70 Beteiligte zu sehen. In dem Fall war es wichtig zu zeigen, wie groß der Prozess ist, weswegen ein riesiges Gesamtbild mit allen Anwesenden gefragt war. Das heißt, ich bekomme die Wünsche der Auftraggeber und versuche, sie abzuarbeiten. Meist gibt es eine Prioritätenliste. Klar ist, dass zuallererst der Angeklagte gezeigt werden muss. Sollte dann noch Zeit sein, wäre es vielleicht noch gut, den vorsitzenden Richter groß zu zeigen, wenn der in dem Fall wichtig war. Sobald diese Wünsche geklärt sind, bin ich auf mich gestellt und muss schauen, das so gut wie möglich hinzubekommen. Ich probiere dann immer, die markanten Sachen festzuhalten, wie beispielsweise einen bestimmten Blick. Wenn jemand die ganze Zeit völlig unbeteiligt dasitzt und nur darauf wartet, bis es vorbei ist, ist das die typische Szene. Bei speziellen Vorkommnissen – zum Beispiel dem Anlegen von Fußfesseln – weist man in den Zeichnungen natürlich auch gerne darauf hin, weil es eine auffällige Besonderheit ist. Für die Betrachter ist es schon interessant zu sehen, dass jemand Fußfesseln anhat. So versuche ich, den Fokus zu setzen oder Einzelheiten hervorzuheben.
Muss man sich als Künstler manchmal zügeln, um so nah wie möglich bei der Wirklichkeit zu bleiben, ohne die Themen stilistisch zu entfremden?
Als Dienstleister versuche ich mit den Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, die Szene so einzufangen, wie ich sie erlebe. Dazu verwende ich einen Aquarellfarbkasten, Fineliner, Bunt- und Bleistifte. Wilde künstlerische Experimente probiere ich währenddessen nicht aus. Ich nutze die Zeit, um möglichst viele Details in die Zeichnung zu bekommen.
Und beauftragt werden Sie tatsächlich von Medien und nicht von Gerichten.
Genau. Normalerweise ist es ein Fernsehsender, der mich ein paar Wochen oder manchmal auch nur einen Tag vorher anfragt. Manchmal sind es auch Zeitungen, wobei es für die weniger wichtig ist, da sie zum Text meist nur ein Bild benötigen. Fernsehsender brauchen im Vergleich mehr Bildmaterial, um einen Beitrag gestalten zu können. In Einzelfällen sind es auch Anwälte, die mich beauftragen. Sei es, weil sie die Berichterstattung in ihrem Sinne unterstützen möchten oder weil sie eine Gerichtszeichung als Andenken vom Prozess möchten bzw. als Referenz für die eigene Website. In den Fällen kann es sich auch um Illustrationen handeln, die nur wie ein Gerichtsprozess aussehen, damit sie gestalterisch etwas für die Website haben. Was ich auch schon gemacht habe: illustrative Gerichtszeichnungen für einen Kinofilm. Konkret handelte es sich um »Der Fall Collini« mit Elyas M’Barek und Heiner Lauterbach.
Welcher Prozess ist Ihnen noch speziell in Erinnerung?
Kachelmann war ganz groß, mit vielen Vertretern der Presse, wo ich ganz viele Nutzungsrechte verkaufen konnte. Das war schon ein riesiger Auflauf an Menschen. Der Wirecard-Prozess in München war auch spannend, alleine wegen des Gerichtssaals in der JVA Stadelheim, der unterirdisch gelegen ist. Ganz früher war ich bei einem Prozess in Heidelberg mit einem Häftling, der schon mehrfach ausgebrochen ist. Die Sicherheitsvorkehrungen waren damals schon sehr beeindruckend, mit Scharfschützen auf dem Gerichtsgebäude. Während Corona war der NSU-2.0-Prozess mit ganz vielen Plexiglasscheiben zwischen den Anwesenden, was auch ein spannendes Bild war. Es gibt immer wieder Besonderheiten, die auch sehr aufregend sein können.
Bei welchem Prozess wären Sie gerne einmal dabei gewesen?
Beim ersten NSU-Prozess habe ich probiert reinzukommen. Ich habe damals mehrere Medienvertreter kontaktiert und war auch mit dem Gericht in Kontakt. Letztendlich hat es sich leider nicht ergeben, obwohl es eine große Sache war.
Werfen Sie ab und an einen Blick über die Grenzen hinweg, um zu sehen, was Kollegen in anderen Ländern machen, beispielsweise in Amerika? Gerichtszeichnungen, die erst kürzlich um die Welt gingen, waren vom Prozess rund um Sean »Diddy« Combs, auch Puff Daddy genannt. Verfolgen Sie das?
Ja, klar, wird mir auch über die Medien zugetragen und finde ich immer spannend, wie andere Leute arbeiten. Jeder hat von der Art der Zeichnungen und Illustrationen seinen Stil. Das ist dann schon beeindruckend. Bei mir sind es Aquarellzeichnungen, weil die für mich am besten und schnellsten funktionieren. Andere – gerade in den USA – arbeiten lieber mit Grafit oder Ölkreide. Jeder hat seinen Weg, in kurzer Zeit möglichst detailliert über den Fall zu berichten.
Das heißt, Sie zeichnen wirklich analog und nicht mit Tablet.
Richtig. Ich habe einen Aquarellblock und -farbkasten auf der Schoß. Zuerst zeichne ich mit Bleistift vor und nachher koloriere ich es. Mit dem Fineliner ziehe ich dann noch nach, damit es scharfe Kanten gibt, womit die Zeichnung im Fernsehen besser zu erkennen ist.
Und dann wird es digitalisiert.
Entweder wird es direkt vor Ort vom Fernsehteam abgefilmt. Das betrifft 70 bis 80 Prozent der Fälle. Oder wenn es erst abends ins Fernsehen kommt oder am nächsten Tag in der Zeitung veröffentlicht wird, nehme ich die Arbeiten mit nach Hause, scanne sie in hoher Auflösung und schicke sie dem Sender. Oder es passiert beides – für die schnelle Berichterstattung wird abgefilmt und für weitere Sendungen kommen die Scans zum Einsatz.
Wie darf man sich den Verkauf Ihrer Arbeit vorstellen? Gibt es einen Pauschalpreis, einen Preis je nach Reichweite oder womöglich sogar hohe Exklusivangebote einzelner Medien?
Im Grunde gibt es zwei Varianten. Entweder gehe ich zum Prozess, weil ich weiß, dass es Bedarf gibt und ich je Blatt pauschal einen Preis ansetzen kann. So war es beim Kachelmann-Prozess. Meistens ist es allerdings so, dass ich exklusiv beauftragt werde. In den Fällen wird nach Arbeitszeit verrechnet, zuzüglich Anfahrt, Übernachtung und Abfahrt.
Sie meinten, dass Gerichtszeichnungen ein vergleichsweise kleiner Teil in Ihrem Arbeitsportfolio sind. Unter anderem arbeiten Sie für Werbeagenturen. Was ist der größte Anteil Ihrer Arbeit?
Mein Fokus liegt auf der Konzeption und Gestaltung von Strategiebildern, meist in Zusammenarbeit mit einer großen Consulting-Agentur. Diese Visualisierungen zeigen beispielsweise, wie eine Produktionshalle in fünf oder zehn Jahren aussehen könnte, wie dort Daten, Automatisierung und künstliche Intelligenz eingesetzt werden oder wie eine Supply Chain effizienter gestaltet werden kann. Solche Zukunftsbilder dienen unter anderem dazu, Mitarbeitende zu schulen oder dem Vorstand anschaulich zu vermitteln, wie Unternehmensziele langfristig erreicht werden können. Darüber hinaus habe ich in den vergangenen Jahren zum Beispiel das komplette Design für das Maifeld Derby gemacht, ein ausgezeichnetes mehrtägiges Musikfestival. Hier reichte mein Gestaltungsspektrum von Tickets und Einlassbändchen über die Social-Media-Kampagne bis hin zur Bühnengestaltung. Aktuell arbeite ich zudem an Porträtillustrationen für ein Mitarbeitermagazin, erstelle Infografiken und übernehme kleinere Logo-Designs.
Wo schlägt Ihr persönliches Herz? Was ist künstlerisch am spannendsten?
Ich mag die Vielfalt und dass nicht jeder Job gleich ist. Das Musikfestival liegt mir schon sehr am Herzen. Es hat einfach große Freude bereitet, in dem Kontext zu arbeiten. Außerdem habe ich mit zwei Freunden eine Siebdruckwerkstatt.
Um noch einmal kurz auf die künstliche Intelligenz zurückzukommen: Fürchten Sie, nachdem was heute schon möglich ist, dass es zukünftig einen großen Umbruch für Grafiker, Illustratoren und Werbeagenturen geben wird? Im Sinne von: Viele Jobs werden verloren gehen. Oder sehen Sie sich als Handwerker, der wie ein Tischler auch im Zeitalter großer Möbelhäuser Bestand hat? Es gibt weniger als früher, aber diejenigen, die es gibt, verdienen gutes Geld.
Es gibt Leute, die sehr darunter leiden. Manche bekommen zum Teil heute schon weniger Jobs. Was ich im Info-Grafik-Bereich mache, ist automatisiert schwer möglich, weil die KI hier aktuell zu eher komischen Ergebnissen führt. Was ich positiv sehe: Man sollte die neuen Möglichkeiten für sich nutzen. Es wird immer Leute geben, die die KI bedienen. Ich als Illustrator kann das im Bereich Illustrationen sicher besser als jemand, der eher Konzepte für Firmen erarbeitet. Man wird sich darauf einstellen müssen und es als Baustein im eigenen Werkzeugkasten betrachten. Vergleichbar ist es durchaus mit früheren technologischen Entwicklungen. Wer früher im Bleisatz tätig war und meinte, dass es mit Computer nicht geht, wird eines Besseren belehrt worden sein. Anders sehe ich es im Kunstbereich. Ein Kunstwerk ohne KI, das nur durch eine Person entstanden ist, hat eine ganz andere Geschichte. Das macht viel mehr Sinn. Große Angst habe ich daher nicht. Es geht eigentlich nur um die Frage, wie man es für die eigene Arbeit nutzen kann. Alles, was die Arbeit erleichtert, muss ja nicht schlecht sein. Wo noch viele Diskussionen entstehen werden, sind Nutzungsrechte. Hier habe ich allerdings noch keine feste Meinung dazu. Auch früher konnte ich mich schon im Museum von Künstlern inspirieren lassen und deren Stil nachzeichnen. Gleichzeitig kann ich Leute verstehen, deren Berufsbild nun zusammenbricht, weil ein paar Arbeitstage von früher heute mit nur wenigen Klicks erledigt sind. Da geht es dann auch um den Wert der eigenen Arbeit, wodurch die Frage aufkommt, wo man sich eigentlich sieht.
Lieblings-
Buch: alle Bücher vom Kunstanstifter Verlag aus Mannheim
Film: Garden State
Song: Devil’s Dance (Okta Logue)
Schauspieler/in: Sandra Hüller
Motto: Habe ich nicht.
Autor/in: Max Goldt
Serie: Pluribus, Breaking Bad, Kurzstrecke (Interviewserie mit Pierre M. Krause)
Stadt: Mannheim, Hamburg
Land: Italien, Holland, Belgien
Gericht: Tschebureki (Teigtaschen mit Hackfleisch und Zwiebeln)
Getränk: regionaler Weißwein
Film: Garden State
Song: Devil’s Dance (Okta Logue)
Schauspieler/in: Sandra Hüller
Motto: Habe ich nicht.
Autor/in: Max Goldt
Serie: Pluribus, Breaking Bad, Kurzstrecke (Interviewserie mit Pierre M. Krause)
Stadt: Mannheim, Hamburg
Land: Italien, Holland, Belgien
Gericht: Tschebureki (Teigtaschen mit Hackfleisch und Zwiebeln)
Getränk: regionaler Weißwein
Persönliches Mitbringsel
Ich betreibe mit zwei Freunden eine Siebdruckwerkstatt in Mannheim mit dem Namen »Antighost«. Dort entstehen handgedruckte Poster in kleiner Auflage – entweder als individuelle Artworks wie dieser Oktopus oder als Konzertposter für Bands. Alle Motive illustrieren wir selbst und setzen sie anschließend als handgedruckten Siebdruck um.

Schönstes und negativstes Erlebnis der vergangenen Woche
Schönstes: Als ich meine Kinder von der Kita abgeholt habe, ist mir mein Sohn entgegengelaufen. Es war schon ein tolles Gefühl, als er mir in die Arme gesprungen ist.
Negativstes: Ich hatte ziemlichen Ärger mit meinem Auto. Es ist gerade aus der Werkstatt gekommen und schon wieder ist etwas. Einmal ist es das Öl, dann ging eine Lampe hinten kaputt, jetzt gerade wackelt das Kofferraumschloss, das erst neu eingebaut wurde. Andauernd ist was anderes. Das nervt.
Negativstes: Ich hatte ziemlichen Ärger mit meinem Auto. Es ist gerade aus der Werkstatt gekommen und schon wieder ist etwas. Einmal ist es das Öl, dann ging eine Lampe hinten kaputt, jetzt gerade wackelt das Kofferraumschloss, das erst neu eingebaut wurde. Andauernd ist was anderes. Das nervt.
Berufswunsch als Kind
Kranfahrer. Illustrator war es nicht, weil ich bis kurz vor dem Studium gar nicht wusste, dass es das gibt. Obwohl ich schon immer gerne gezeichnet habe. Da hat es dann immer geheißen, dass ich das ja gerne als Hobby machen kann und ich lieber etwas Gescheites lernen soll.
Wen wollten Sie immer schon einmal treffen?
James Jean, einen US-amerikanischen Illustrator, den ich während meines Studiums ziemlich cool fand. Ich habe damals ein wenig probiert, ihm nachzueifern.
Teenie-Schwarm
Weiß ich nicht.
Ort des Interviews
MS-Teams
Ein kurzweiliges Gespräch, und das, obwohl es nicht mal im Kaffeehaus stattgefunden hat. Da Martin Burkhardt in Neustadt an der Weinstraße in der deutschen Pfalz lebt und Talkaccino in Wien beheimatet ist, war es eines der wenigen – wenn auch nicht weniger interessanten – Gespräche via Videocall. Manchmal ist der digitale Weg doch dem gemütlichen Kaffeehaus vorzuziehen. Vor allem, wenn man dadurch die Möglichkeit bekommt, Einblicke in ein seltenes Berufsbild wie das des Gerichtszeichners zu erhalten.
Ein kurzweiliges Gespräch, und das, obwohl es nicht mal im Kaffeehaus stattgefunden hat. Da Martin Burkhardt in Neustadt an der Weinstraße in der deutschen Pfalz lebt und Talkaccino in Wien beheimatet ist, war es eines der wenigen – wenn auch nicht weniger interessanten – Gespräche via Videocall. Manchmal ist der digitale Weg doch dem gemütlichen Kaffeehaus vorzuziehen. Vor allem, wenn man dadurch die Möglichkeit bekommt, Einblicke in ein seltenes Berufsbild wie das des Gerichtszeichners zu erhalten.
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