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Gartengestalterin Claudia Wolf im Gespräch
 
       
       
Claudia Wolf

Gartengestalterin und -designerin

Gesellschaft
15.05.2024
Claudia Wolf hat in den vergangenen 25 Jahren, laut eigenen Angaben, über 1.000 Gartenprojekte umgesetzt. Doch wie hat alles begonnen? Mit einem Studium der Landschaftsplanung und -gestaltung sowie beruflichen Stationen als Gartenplanerin und Baustellenleiterin bei Gartengestaltungsbetrieben, Planungsbüros und Baumschulen. Danach hat sich Wolf mit breit angelerntem Wissen selbstständig gemacht; ihr Tätigkeitsfeld reicht von der einfachen Innenraumbegrünung über Terrassen- und Balkonkonzepte bis hin zum gesamten Gartendesign. Im Interview mit Talkaccino spricht sie über den berühmten grünen Daumen, ihre Herangehensweise an unterschiedliche Projekte und – nicht unwesentlich – darüber, wie viel Kleingeld man für eine professionelle Gartenplanerin und -designerin übrig haben sollte.

Beginnen wir unser Gespräch mit dem berühmten grünen Daumen. Was sind Ihre Assoziationen damit?

Ich glaube, dass es den grünen Daumen tatsächlich gibt, weil es eben auch Leute gibt, die es schaffen, die unkompliziertesten Pflanzen falsch zu behandeln. Manchmal frage ich mich schon, wie das eingehen konnte, weil es sich eigentlich um Unkraut handelt. Wenn nun jemand sagt, keinen grünen Daumen zu haben, bestärke ich das natürlich nicht, sondern sage, dass es mit der richtigen Pflege schon geht. Man muss auf die Pflanzen reagieren, sie beobachten und nicht einfach jeden zweiten Tag einen Liter Wasser reinschütten, nur weil ich als Gartengestalterin das gesagt habe.

Hört sich ein bisschen nach Kochen mit Gefühl an.

Genau. Wenn steht, drei Teelöffel Salz, und es ist danach versalzen, werde ich beim nächsten Mal reagieren und es anders machen und nicht wieder dieselbe Menge Salz reingeben, nur weil es im Rezept steht.

Wie Sie schon sagen: Wenn eine Pflanze wenig Wasser braucht, gieße ich sie halt weniger. Wie kann man einen grünen Daumen bekommen, wenn man selbst die einfachsten Pflanzen kaputt macht?

Es kommt darauf an, aus welchen Gründen man einen Garten hat oder Innenräume begrünt. Manche Menschen betreiben das mit einer Leidenschaft und schauen die Planzen jeden Tag an. Und damit meine ich nicht, dass sie nur kurz hinschauen, ob sie noch leben. Die sehen sofort, ob irgendwo die Spitze eines Blattes runterhängt, und denken daran, ob sie vielleicht heute ein bisschen früher etwas mehr Wasser benötigen, weil es gestern etwas wärmer war. Bevor sie gießen, greifen sie vielleicht sogar in die Erde, um zu schauen, ob sie trocken ist oder nicht. Manche machen das, weil es für sie Herzensprojekte sind, für andere sind Pflanzen eher Deko und leben nicht mit ihnen. Mein Schwiegervater hat beispielsweise einen grünen Daumen. Aber nicht weil er sich mit den Pflanzen so beschäftigt wie eben beschrieben, sondern weil er eine gewisse Ausstrahlung hat. Der schafft es jedes Mal, wenn wir zwei Wochen im Urlaub sind, dass er eine Pflanze zum Blühen bringt, von der ich mir dachte, dass ich sie bald wegschmeiße. Er erweckt sie dann wieder zum Leben. Das klingt nun etwas esoterisch, was ich normalerweise überhaupt nicht bin. Ich beobachte das bei meinem Schwiegervater aber seit Jahrzehnten. Irgendwas dürfte er machen, das den Pflanzen gefällt. Er redet allerdings nicht mit ihnen und streicheln tut er sie auch nicht. Keine Ahnung, woran es liegt.

Heißt das, Ihr Schwiegervater hat einen grüneren Daumen als Sie, die professionelle Gartengestalterin?

Ja, absolut. Im Sinne von Pflege und Wirkung auf jeden Fall.
»Ich beanspruche für mich nicht, den grünen Daumen haben zu müssen«

Eine frühere Nachbarin von mir hat ihre Pflanzen gestreichelt und mit ihnen geredet.

Kommt vor. Nur weil ich Gartengestalterin bin, pflege ich sie ja nicht. Ich bin keine Gärtnerin, sondern plane sie, setze Pflanzen ein, und die Leute müssen sich dann um sie kümmern. Es sei denn, man beauftragt uns für Pflege, wie Schnitt und gießen. Aber ich beanspruche für mich nicht, den grünen Daumen haben zu müssen, um in meiner Branche gut sein zu können.

Sie sind die Architektin.

Ich bin die Architektin und nicht die Pflegerin.

Neben Ihrem Studium der Landschaftsplanung und -gestaltung haben Sie auch Pflanzendesign und Psychologie studiert. Wie fließt diese Kombination in Ihre tägliche Arbeit ein?

Ich denke, dass ich sehr gut mit Leuten kann, wobei das nicht mit dem Studium zusammenhängt. Mich hat das damals einfach interessiert, unter anderem weil sich Schulkolleginnen von mir inskribiert haben. Biologie und Philosophie habe ich auch begonnen. Bei Psychologie habe ich den ersten Studienabschnitt abgeschlossen. Also ja, der Umgang mit Menschen interessiert mich schon sehr. Wie geht man mit ihnen um, was ist ihnen wichtig, was für einen Garten brauchen sie und so weiter. Wenn ich das im Gespräch raushöre, um es dann in der Planung gut umzusetzen, ist das schon wichtig. Manche Kunden wollen komplett architektonische Gärten, wo alles perfekt eingefasst ist, wo nichts sprießt und wild ist und am besten irgendwo nur zwei Pflanzen gerade stehen. Wenn ich denen einen üppigen Garten hinstelle, sind sie unglücklich und überfordert damit.

Bis die Pflanzen wirklich groß sind, dauert es. Nach ein paar Jahren kann man nicht zu Ihnen kommen und sich darüber beschweren, dass es nun ganz anders aussieht. Oder etwa doch?

Ums Reklamieren geht es ja nicht. Ich möchte, dass sie einen Benefit haben und aus dem Garten schöpfen können. Und sei es, weil es einfach eine quadratische Rasenfläche ist, die für jemanden Ruhe ausstrahlt. 

Hatten Sie es schon, dass jemand Jahre später zu Ihnen kommt und gesagt hat: »Liebe Frau Wolf, das sieht jetzt ganz anders aus, als ich es mir vorgestellt habe. Die Pflanzen wachsen ganz anders!«

In dem Sinne nicht, nein. Ich spreche das in den Vorbereitungsgesprächen durchaus an. Manche Stauden oder Bäume sind beim Einpflanzen sehr klein und schauen natürlich anders aus als in drei Jahren, geschweige denn in 30 Jahren. Oft kommt: »Na geh, die sind aber klein, sollten wir da nicht noch was dazusetzen?« Dann muss ich gleich darauf hinweisen, dass das noch wächst, üppiger wird und vielleicht sogar zu viel wird für den eigenen Geschmack. Mehr wäre also nicht gut, weil es ohnehin zurückgeschnitten werden muss. Ein Garten ist kein Ist-Zustand wie bei einer Küche, die sich vielleicht ein bisschen abnutzt. Er wächst und gedeiht, wie Kinder. Und irgendwann stirbt eine Pflanze auch und es muss etwas verändert werden.

Haben Sie Kundinnen oder Kunden mit wenig Geduld, die keinen kleinen Baum eingepflanzt haben wollen, sondern gleich einen großen verlangen?

Gibt es schon. Wirklich ausgewachsene Bäume gibt es aber kaum, denn das würde ja heißen, dass sie bald wieder eingehen würden. Da verhält es sich wie bei uns Menschen: Irgendwann bauen wir wieder ab, und so verhält es sich bei Bäumen auch. Aber ja, größere Pflanzen werden durchaus gesetzt, weil manche Leute etwas haben wollen, das schon mehr hergibt. Alleine schon weil sie wollen, dass der Raum anders wirkt. Schattenwurf kann zum Beispiel ein Thema sein. Auch bei älteren Leuten ist es Thema.
Im Interview: Gartendesignerin Claudia Wolf

Schönheit und Wohlgefühl sind bekanntlich höchst individuell. Wie schwer ist es, den eigenen Geschmack mit dem der Kundinnen und Kunden in Einklang zu bringen? Jeder hat eigene Vorstellungen und Wünsche.

Das lernt man mit der Zeit. Mittlerweile kommen Kunden zu mir, die gut zu mir passen. Das hat auch mit dem Auftritt meiner Website zu tun. Heutzutage kann man sich gut anschauen, was jemand anbietet – im Vergleich zu früher, als man nur eine Telefonnummer im Telefonbuch hatte.

Sie haben über 1.000 Projekte in 25 Jahren umgesetzt.

Mittlerweile werden es deutlich mehr sein. Die Zahl auf der Website stammt von vor zehn Jahren.

Dennoch ein guter Jahresschnitt von rund 40 Projekten im Jahr.

Auf jeden Fall.

Welche Aufträge sind Ihnen noch speziell im Gedächtnis? Bitte um ein Positiv- und um ein Negativ-Beispiel.

Ein ganz positives Beispiel ist eine Kundin, die ich seit Jahren begleite und mit deren Garten ich mich sogar bei den »Gärten des Jahres« beworben habe und schließlich in einem Buch damit publiziert wurde. Ihr liegt ihr Garten sehr am Herzen, und Schritt für Schritt haben wir ihn umgestaltet, und wir arbeiten nach wie vor daran. Sie lässt sich gerne beraten, kommt aber auch selbst mit Ideen, und gemeinsam wurde der Garten dann über die Zeit von mittlerweile sieben bis acht Jahren entwickelt. Es handelt sich um einen speziellen Garten im innerstädtischen Gebiet, versteckt in einem Innenhof. Im Zuge der Einreichung haben wir sogar ein Fotoshooting gemacht. Es ist eine spannende Mischung aus klassischem Barockgärtchen mit Rosen und Buchsbäumchen, aber auch exotisch: mit Palmen und Bambus. Für das Projekt und die Dame bin ich sehr dankbar.

Und negativ?

In meiner Zeit als Angestellte habe ich im Gartencenter als Planerin gearbeitet. Eine Dame wollte damals eine Thujenhecke direkt neben der Thujenhecke vom Nachbarn pflanzen. Mein Vorschlag war, ob sie nicht lieber etwas Blühendes setzen möchte. Sie hat sich dann telefonisch bei meinem Chef aufgeregt, dass ich ihr keine Thujen setzen, sondern stattdessen etwas anderes einreden wollte. Nun gut, mit sowas muss man halt auch leben.
»Komposthaufen sind salonfähig geworden, womit sie auch irgendwie abgeschafft wurden«

Wie haben sich die Kundenwünsche sowie die Ansprüche an Ihre Arbeit in den letzten 25 Jahren verändert? Ein Beispiel: Ich kann mich noch erinnern, dass Komposthaufen im Garten früher gang und gäbe waren. Mittlerweile fallen sie mir ab und zu wieder auf, aber generell sind sie deutlich weniger geworden.

Komposthaufen sind salonfähig geworden, womit sie auch irgendwie abgeschafft wurden, weil die Leute sie zu einer Wissenschaft gemacht haben. Generell hat sich viel geändert. Zu meiner Anfangszeit war es so wie vorhin gerade erzählt, dass viele Leute Thujenhecken wollten, weil sie schön und ordentlich gewirkt haben und sie jeder hatte. Heute ist es so, dass die Leute gleich schreien: »Aber bitte keine Thujen!« Lustig irgendwie. Seit einiger Zeit ist das Kirschlorbeerfieber ausgebrochen, was zum Glück wieder abebbt. In der Schweiz sind die schon verboten, weil sie sich massiv ausbreiten und die natürliche Vegetation in den Wäldern verdrängen. Bei uns ist das zum Glück noch kein Thema, in den Niederlanden aber anscheinend schon. Ich glaube, dass hier viel durch Prospekte und Werbung gesteuert wird. Wenn Bauhäuser etwas anbieten, wird das oft zum Trend. Bei meinen Kunden habe ich gemerkt, dass in den letzten ein bis zwei Jahren der Trend wieder dahingeht, dass sie wieder mehr naturbelassene Sachen wollen. Im Sinne von: insektenfreundlich und wildes Eck.

Wildes Eck? So bissl ein verwilderter Garten?

Ja, genau. Dass man zum Beispiel ein bissl Totholz liegen lässt, aber halt in geordneten Maßen und schön geschlichtet. Vielleicht sogar mit einem kleinen Kompostelement, auch wenn es stinkt. Manchmal ist es ganz lustig, was jemand will und was dann jemand wirklich damit anfangen kann. Hochbeete waren einige Zeit lang ganz in. Wenn man es richtig macht, dann sinkt es zusammen, weil die unterste Schicht verrottet. Dann müsste man es eigentlich komplett ausräumen und wieder neu aufsetzen, damit ganz unten wieder eine lockere Schicht mit Ästen ist und es dort durchlüftet wird. Damit müsste man es eigentlich jedes Jahr, oder zumindest jedes zweite, leeren und wieder neu befüllen. Diese Arbeit will sich in der Regel allerdings niemand antun. Welcher Trend auch stärker wurde: Trockenverträglichkeit.

Wegen des Klimawandels.

Richtig. Viele kommen mit dem Gießen einfach nicht mehr nach. Bei vielen Pflanzen geht es mittlerweile ums Überleben und nicht mehr ums Wachsen. Vor Jahrzehnten war es einfacher, alles Mögliche in den Garten zu setzen, weil es leichter überlebt hat. Heute muss man sehr darauf aufpassen, was wächst, gedeiht und auch wirklich überlebt.

Sie haben über die Jahre und Jahrzehnte so viel Fläche begrünt, dass Sie sich als eine Art Klimabotschafterin sehen müssen.

Voll, ich brauch wirklich kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich mit dem Auto fahre, so viel Gutes, wie ich getan habe. (lacht)

Können Sie die von Ihnen begrünten Flächen in Fußballfelder umrechnen?

Nein, überhaupt keine Ahnung, aber es war schon sehr, sehr, sehr viel.

Haben Sie Lieblinge in der Pflanzenwelt, wenn wir in andere Klimazonen blicken?

Eukalyptus habe ich sehr gerne. Der funktioniert bei uns halbwegs. Das Problem mit den Wintern haben wir halt. Die Sommer wären warm genug, aber wenn es im Winter auch nur kurz kalt wird, kann das schon zu viel sein.
Im Interview: Gartendesignerin Claudia Wolf

Die Gestaltung von Innenräumen, Terrassen sowie Balkonen oder ganzen Gärten unterscheidet sich massiv. Wie nähern Sie sich diesen unterschiedlichen Herausforderungen an?

Ein kleiner Raum ist sicher anspruchsvoller, weil sofort alles wahrgenommen wird. Da muss im Detail alles passen, auch von den Höhenstaffelungen, damit es als Einheit wahrgenommen wird und dennoch spannend wirkt. Bei Terrassen oder kleinen Gärten verhält es sich ähnlich. Alles, was auf einen Blick erfasst werden kann, ist ein bisschen wie ein Bausteinspiel. Hier beginne ich mit Höhen und Formen. Brauche ich was Hohes oder Massives, soll es eckig oder geschwungen sein, darf es luftig und durchsichtig sein? Die Fragen stelle ich mir dann. Es ist ein Zusammenspiel dieser Dinge. Bei großen Anlagen geht es eher darum, wie man durch den Raum leitet, führt und erschließt – durch Blicke und Blickachsen. Erst danach kommen die Aufteilung und die Formen.

Wenn man umzieht, entstehen meist massive Kosten, die im Alltag nicht anfallen – Renovierung, Möbel, womöglich auch ein Kredit. Eine professionelle Gartengestalterin kostet deutlich mehr, als wenn man sich einfach selbst ein paar Pflanzen kauft und sie nach eigenem Gutdünken platziert. Warum sollte man nun eine Gartengestalterin beauftragen?

Das kommt auf das Ergebnis an, das man sich erwartet. Die Haare kann ich mir ja auch selber schneiden oder ich gehe eben zum Friseur. Ich denke, dass ich durch meine Erfahrung schon ein gewisses Gefühl entwickelt habe. Aber natürlich gibt es auch Leute, die das durch ihre eigene Kreativität und Vorstellungskraft gut machen. Was ich noch mitbringe, ist das Know-how über das Material, also die Pflanzen und ihre Ansprüche. Oder eben auch Bodenbelege und bauliches Material und deren Beschaffenheit, also technische Details. Sich das alles selber raussuchen ist manchmal doch etwas mühsam. Eine Ansprechperson zu haben ist manchmal schon sehr hilfreich.

Wie viel Geld sollte man im Börserl haben, um Sie zu beauftragen?

Das kommt auf den Raum an. Was erwarte ich mir, was soll der hergeben?

Beispiel: Ich habe einen westlich ausgerichteten Balkon, der 20 Quadratmeter groß ist. Sie haben völlig freie Hand. Wählen Sie gerne auch die Fliesen aus. Womit muss ich nun Pi mal Daumen rechnen?

Ich würde zu Ihnen kommen, mir den Balkon ansehen und dann mit Ihnen besprechen, was Sie sich vorstellen. Wenn Sie nun sagen: »Hauptsache, schön!«, wäre ich etwas überrascht, aber okay. Wahrscheinlich würde ich noch fragen, zu welcher Zeit Sie am liebsten draußen sitzen, ob Sie alleine wohnen oder mit Familie. Wenn das auch alles egal ist und es Ihnen nur darum geht, dass der Balkon so gestaltet ist, dass er in einem Gartenmagazin abgedruckt werden könnte, würde ich mit der Planung beginnen.

Zu viel Aufwand in der Pflege darf es halt nicht machen.

(grinst) Okay, die kann ich ja mit anbieten. Wir könnten ein Wasserspiel einbauen, einen anderen Belag, Tröge, einen Sonnenschutz, Pflanzen mit Bewässerungsanlage und eine kleine Außenküche, die gut aussieht. Für die Planung würde ich ungefähr 700 bis 800 Euro verrechnen.

Und wie viel für die konkrete Umsetzung?

Das kann dann schon so zwischen 100.000 und 200.000 Euro kosten.

So viel?!

Es geht ja nicht nur ums Material, sondern auch darum, wie man das alles raufbringt auf die Dachterrasse. Mit dem Aufzug wird das nicht funktionieren. Also, wenn man völlig freie Hand hat und Geld keine Rolle spielt, ist das durchaus möglich. Wir können auch gerne ein anderes Beispiel durchgehen: Stellen wir uns ein Pärchen vor in einer Reihenhaussiedlung. Dort gibt es einen Garten mit 80 bis 100 Quadratmetern. Die bekommen eine Hecke, durch die man nicht durchsieht, zwei schöne Schattenbäume und ein kleines Beet. Rasen war schon dort. Zwei Gefäße werden noch bepflanzt. Hier belaufen sich die Kosten auf 6.000 Euro. Das war jetzt ein tatsächlich umgesetztes Projekt. 

Wenn Sie sich etwas wünschen könnten, was wäre Ihr absolutes Wunschprojekt?

Einen aufgelassenen Parkplatz von einem Supermarkt, der entsiegelt werden soll, umgestalten. Man könnte mit einem ökologischen Anspruch zeigen, was sich alles machen lässt. Solche Parkplätze sind ja gleich mal 3.000 Quadratmeter groß. Dort zu zeigen, dass mit Pfiff etwas Grünes entstehen kann. So eine Art Showgarten zu gestalten wäre schon etwas.

Lieblings-

Buch: Lege ich mich nicht fest.
Film: Für Lieblingsfilme bin ich zu alt.
Song: Stimmungsabhängig. Ich liebe italienische Tenöre. Gleichzeitig denke ich mir bei manchen Popsongs im Radio, dass es sich um mein Leben handelt.
Schauspieler/in: Robert De Niro, Meryl Streep.
Motto: Erstens: Es kommt. Zweitens: anders, als man glaubt.
Autor/in: Franz Kafka.
Serie: Die Simpsons, Malcolm mittendrin
Stadt: Wien
Land: Irland
Gericht: Hummus, Kichererbsen, Süßkartoffeln
Getränk: Stilles Wasser

Persönliches Mitbringsel

Ich habe – ganz unlady like – eine kleine Gartenschere mit. Die habe ich immer im Rucksack mit, auch auf Reisen. In Dublin hatte ich sie blöderweise auch beim Security-Check dabei. Die haben sie mir dann ganz kaltherzig abgenommen. Das ist jetzt eine neue, die mir mein Sohn geschenkt hat. Wenn ich bei Freundinnen bin und sie fragen mich, wie sie die Pflanzen schneiden sollen, brauch ich nicht lange erklären, sondern fang einfach an und zeige es ihnen.
Gartenschere mit rotem Griff und brauner Lederscheide

Schönstes und negativstes Erlebnis der vergangenen Woche

Positivstes: Wir haben an der Alten Donau einen schönen Garten gestaltet. Einen alten Betonweg haben wir mit Sandsteinplatten und Tuffstein ein bisschen in die mediterrane Richtung umgewandelt. Das harmoniert sehr schön mit dem rotbräunlichen Holzhäuschen. Mit der Alten Donau daneben ergibt das nun ein richtig schönes Urlaubsfeeling.

Negativstes: Ich verfolge die Premier League, und Liverpool war einfach schlecht. Schade auch, dass Klopp geht, was für ihn ein trauriger Abschied sein muss.

Berufswunsch als Kind

In der Volksschule wollte ich Volksschullehrerin werden. Als ich zehn Jahre alt war, haben meine Eltern Haus gebaut. Durch die Pläne von den Architekten, die herumgelegen sind, hat mich das schon angefangen, sehr zu interessieren.

Wen wollten Sie immer schon einmal treffen?

Barack Obama. Monty Don. Das ist der Haus-und-Hof-Gärtner der BBC.

Teenie-Schwarm

David Bowie

Café-Bestellung

Chai Latte und Poppy Seed Lemon Cake (Zitronenkuchen)

Ort des Interviews

Calienna
Das Calienna in der Neubaugasse 68 in 1070 Wien ist Pflanzengeschäft und Café in einem, also die perfekte Location für ein Talkaccino-Interview mit Gartengestalterin Claudia Wolf. Wenn man eintritt, fühlt man sich gleich geerdet in einem kleinen Dschungel aus großen und kleinen grünen Blättern. Man könnte sagen: Man sieht vor lauter Grün den Kaffee nicht mehr. Aber man riecht ihn, was zum erdenden Wohlgefühl beiträgt und zum weiteren Verweilen einlädt. Übrigens: Zwei Getränke-Kreationen, die man so schnell nicht anderswo aufgetischt bekommt, sollten unbedingt probiert werden – der Espresso Tonic und das Calimisu!