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Fußballer Toni Polster im Gespräch
Toni Polster

Fußballer

Gesellschaft
09.03.2021
Toni Polster war bis ins Jahr 2000 Profifußballspieler und wechselte ab 2010 ins Trainerlager. Er ist einer der wenigen österreichischen Fußballer, die international Karriere gemacht haben. Zu seinen Stationen gehörten unter anderem der FK Austria Wien, der FC Sevilla wie auch der 1. FC Köln. Mit 44 Toren innerhalb der Nationalmannschaft gilt er bis heute als Rekordtorschütze. Dreimal wurde er österreichischer Meister, 1987 wurde er von der UEFA zu Europas bestem Torjäger gekürt, 1997 war er Österreichs Sportler des Jahres.

Wir befinden uns im Jahr 2021, kurz nach einem Lockdown, und die Friseure haben seit ein paar Wochen wieder geöffnet. Bekannt wurdest du durch deine sportlichen Aktivitäten, dein Markenzeichen war stets deine Lockenfrisur. Wie ging’s Toni Polster die vergangenen Wochen und Monate so ganz ohne Friseur?

Es gibt wesentlich wichtigere Dinge als den Gang zum Friseur, aber natürlich will man eine g’scheite Haarpracht haben, eh klar. Anfänglich hat mir meine Frau Birgit meine Haare geschnitten. Später hat das dann meine Schwiegertochter übernommen, die zu meinem Glück Friseurin ist. Beim dritten Haarschnitt war ich schon mit gültigem Test bei ihr im Geschäft. 

Bleiben wir beim Thema Wiedererkennbarkeit: Eine Freundin hat mir vor Kurzem erzählt, sie hat Hans Krankl beim Spazierengehen gesehen und seinen Namen gerufen. Ihr Freund hat sie gepackt und gemeint: »Komm, gemma schnell weiter – das war der Herbert Prohaska!« Wie oft bist du schon mit einem von den beiden verwechselt worden?

(grinst) Ein paar Mal ist mir das schon passiert. Die Leute sind aufgeregt und nervös, wenn ich vor ihnen stehe. Dann kann es vorkommen, dass ich aufgrund der grauen Haare vor allem mit Hans Krankl verwechselt werde. Aber gut, ich lache darüber und bin nicht böse. Es gibt Schlimmeres, als mit dem zweitbesten Torjäger Österreichs verwechselt zu werden.

Sowohl Krankl, Prohaska als auch du seid als Sänger aufgetreten. Wer von euch ist der bessere Sänger, wer der bessere Fußballer?

Es ist immer die Frage, woran du »besser« messen willst. An den Verkäufen oder etwas anderem? Es ist schwer zu vergleichen. Der Herbert hat, soweit ich weiß, keine eigenen Lieder gesungen. Der Hans hat ein paar eigene. Ich habe auf jeder CD immer nur eine Cover-Version gehabt, und sonst nur neue Lieder, was ich nie bereut habe, weil’s ein riesiger Erfolg war. Bei mir zu Hause hängen voller Stolz Doppelgold- und Platin-Platten. Nachdem ich viele Konzerte gespielt habe, habe ich mir gesagt, dass ich mich aufs Trainerdasein konzentrieren werde, auch wenn mir die Musik viel Freude bereitet hat. Ich war der Meinung, dass ein Trainer nicht ernst genommen wird, wenn er Konzerte gibt und singt. Die Überlegung an sich war vielleicht richtig, aber in Wahrheit wär’s in Österreich wurscht gewesen. Prohaska und Krankl haben auch erfolgreich Musik gemacht, großteils allerdings nur nachgesungen. Das habe ich nie gemacht, weil Nachsingen nie so gut wie das Original sein kann. Das kam für mich nie in Frage. 

Fußballerisch war Herbert Prohaska von uns dreien sicherlich der Beste. Was er wiederum nicht so hatte wie Hans und ich, waren der Killerinstinkt und der Torriecher. 
Toni Polster im Interview

In den vergangenen Jahren hatte man das Gefühl, dass die Geldbeträge am Transfermarkt für Profifußballer keine Grenzen mehr kennen. Neymar ist bis heute Rekordhalter mit einer Transfersumme von 222 Millionen Euro in der Saison 2017/2018. Hat man als Profi aus den 80ern und 90ern bei solchen Summen das Gefühl, in der falschen Zeit zu den Top-Sportlern gehört zu haben?

Das könnte man meinen, aber diese Denkweise ist mir völlig fremd. Wir haben zu unserer Zeit auch gut verdient und waren zufrieden damit. Ich vergönne es jedem, der heute mehr verdient oder an diesen Summen partizipiert. Alles gut. Jeder muss in seiner Zeit glücklich werden. Ich verschwende keine Gedanken an »was wäre wenn«. Diesen Neid, dass jemand mehr Verdienst oder Möglichkeiten hat, als ich sie hatte, kenne ich nicht. Ich bin ein glücklicher Mensch.

Sind heutige Summen aus deiner Sicht noch gerechtfertigt?

Nein, sind sie nicht. Die Summen sind völlig aus der Norm und überzogen. Allerdings sind die Leute, die solche Klubs führen, Geschäftsleute. Die sind ja nicht dumm. Die haben viel Geld verdient, weil sie schlau sind und fleißig waren. Die rechnen also schon nach. Wenn ich einen Neymar verpflichte und dafür über 200 Millionen ausgebe, in kurzer Zeit vielleicht wieder 130 darüber einnehme und viel Berichterstattung habe, ist das ein Rechenbeispiel, das sich für diese Leute unterm Strich lohnt.

Ist Fußball früher mehr Sport gewesen und heute mehr Business? Oder war’s das eh immer schon und es fehlt heute mehr an Leidenschaft, weil noch mehr auf die Zahlen geschaut wird?

Früher war es sicherlich mehr auf den Sport und die Leistung reduziert. Heute ist schon mehr Show dabei. Das Drumherum zählt heute sicher mehr und gehört dazu. 

Im Interview mit Musikproduzent und Falco-Bandleader Thomas Rabitsch hat dieser davon erzählt, Kontakte zu jungen Musikern zu pflegen, wie beispielsweise Marco Michael Wanda. Wie darf man sich das bei dir vorstellen? Trifft Toni Polster ab und an David Alaba auf ein Plauscherl?

Ich bin Trainer bei der Wiener Viktoria und sitze damit an der Quelle. Dort habe ich fast tagtäglich mit jungen Menschen zu tun, und damit auch mit der neuen Sprache und neuen Gedanken, die sich entwickeln. Ich bin da also sicherlich am letzten Stand. Mit David Alaba treffe ich mich nicht, aber meine Jungs bei der Wiener Viktoria sind am selben Level, von der Denke her. 

Sehen dich die Jungen als klassischen Trainer oder wollen sie dann auch Anekdoten deiner größten Erfolge hören?

Grundsätzlich bin ich als Trainer kein Oberlehrer. Ich erzähle ihnen also sicher nicht, was früher alles besser war und was ich nicht alles super gemacht habe. Das wollen die Jungen ja nicht hören. Wenn’s einer hören möchte, erklär ich’s ihm gerne. Die meisten kennen meine Erfolge, Interviews und Tore natürlich. Ich bin für meine Spieler immer da, um Ratschläge zu geben und um sie besser zu machen. Das ist mein tagtägliches Ziel. Die Spieler sind viel wichtiger als der Trainer. Natürlich gibt es auch andere Denkweisen. Meine ist allerdings, dass jeder Spieler wichtiger als der Trainer ist. Daher nehme ich mich sowas von nicht wichtig. Aber natürlich bin ich der Anführer, der die Linie vorgeben muss und zu spüren hat, ob sich meine Jungs dabei wohlfühlen.

Wenn die Mannschaft gewinnt, waren’s die Spieler, wenn die Mannschaft über längeren Zeitraum verliert, muss der Trainer gehen. Ist das fair?

Nein, ist es nicht, aber es ist Teil unseres Jobs. Fair ist es nicht, darüber brauchen wir gar nicht reden. Der oft zitierte Trainereffekt ist statistisch auch nicht belegbar.
»Spieler müssten vom Klub gezwungen werden, Sprachkurse zu belegen«

Wie darf man sich einen Wechsel zu einem Fußballclub außerhalb Österreichs vorstellen, mit vielen Nationen und Sprachen im Kader – gibt’s am Anfang Verständigungsprobleme?

Grundsätzlich ist die Fußballersprache international, aber natürlich musst du schon auch zeigen, dass du dazugehören und dich integrieren möchtest. Das geht vom Verstehen der Trainerkommandos bis zu Unterhaltungen mit den Spielern. Von daher war es für mich ganz logisch – auch aus Respekt vor dem Land, für das ich spiele –, die Sprache zu lernen. Ich wundere mich heute noch oft, wie respektlos manche Spieler dem jeweiligen Land gegenüber sind, in dem sie ihr Geld verdienen, dessen Sprache sie allerdings selbst nach Jahren noch nicht beherrschen. Das ist für mich unverständlich! 

Ganz allgemein gesprochen oder hast du spezielle Beispiele?

Da gibt’s hunderte. Da brauchst du nur zu schauen, wer in Österreich aller Interviews auf Englisch gibt, obwohl sie schon Jahre hier spielen. Das gibt’s in jedem Land. Das ist für mich ein vollkommenes Unding und dürfte eigentlich nicht sein. Es ist respektlos – den Journalisten, den Mitspielern und dem Verein gegenüber. Eigentlich müssten solche Spieler vom Klub gezwungen werden, Sprachkurse zu belegen. Ich würde es jedenfalls so machen, wenn ich einen Klub führen würde.

Ist in Richtung Klubführung etwas für die Zukunft angedacht?

Nein, ist es nicht. Grundsätzlich hatte ich nach meiner Spielerkarriere denselben Ehrgeiz, erfolgreich zu sein, so wie ich es als Sportler gewohnt war. Ich habe alle Teilbereiche gelernt, um einen Klub führen zu können, und bin davon ausgegangen, dass die Wiener Viktoria für mich eine Zwischenstation sein wird, um dort hinzukommen, wo ich hingehöre. Nämlich ins Nationalteam oder als Trainer in die Bundesliga oder wieder ins Ausland. Ich habe dann allerdings relativ schnell gemerkt, dass die Wiener Viktoria der richtige Klub für mich ist und ich dort gut aufgehoben bin. Dort habe ich solche Ziele dann abgehakt. In Österreich gibt es, so wie ich es gewohnt bin, keine Aufgabe für mich.

Wie ist das gemeint?

Professionell zu arbeiten und miteinander zu arbeiten. Bei den Gesprächen, die ich geführt habe, war der erste Satz immer, dass man mich haben will, und der zweite, dass kein Geld vorhanden ist. Es gibt viele Ehrenamtliche, die im Fernsehen oder in der Zeitung erscheinen würden, wenn ein Toni Polster im Klub wäre. Das macht für mich keinen Sinn, den dreifachen Stress zu erleben für die Hälfte oder ein Drittel des Geldes. So eitel bin ich wirklich nicht, um das machen zu müssen oder zu wollen.

Es muss also honoriert werden, wenn man das Aushängeschild sein soll.

Ohne jetzt überheblich klingen zu wollen: Scheinbar ist der Schatten von Toni Polster zu groß, um das Können ernsthaft auszunutzen, das ich einem Verein geben könnte.
»Der Schatten von Toni Polster ist scheinbar zu groß«

Stichwort »großer Schatten«: Vor ein paar Monaten ist die argentinische Fußballlegende Diego Armando Maradona gestorben. Was waren deine Gedanken, als du davon gehört hast?

Ich war unheimlich traurig. Ich habe Diego gekannt, wenn auch nicht sehr gut. Wir haben Trikot getauscht, haben uns gut verstanden und sind vor der WM 1990 gemeinsam fortgegangen. Er war dem Tod schon ein paar Mal sehr nahe und durch seine Eskapaden war es absehbar. Er hat es übertrieben.

Wie hast du ihn wahrgenommen beim gemeinsamen Weggehen? 

Er war wie ein kleines Kind. Am Spielfeld wusste er, was er zu tun hat. Im Privatleben wusste er das nicht. Da war er irgendwie verloren. Man hätte ihn führen müssen. Wahrscheinlich waren um ihn herum die falschen Leute. 

Von welchem aktuellen Fußballstar bist du absoluter Fan, bei wem wird Toni Polster wieder zum Buam, der mitfiebert?

Ich fiebere ein wenig mit meinen Ex-Vereinen mit – Sevilla, Köln und natürlich der Nationalmannschaft. Als Trainer natürlich auf der Trainerbank bei der Wiener Viktoria. Ich bewundere, was die Bayern die letzten Jahre auf die Beine gestellt und geleistet haben. Was für Spieler dieser Verein gemacht hat. Das tut mir dann auch ein wenig weh, weil in Österreich viel zu wenige Legenden eingebunden werden, die viel mehr geben könnten. Da sind wir dann halt wieder beim vorherigen Thema.

Woran liegt’s ... am Geld ... am Spirit?

Am Geld liegt’s, glaube ich, nicht. Aus meiner Sicht haben wir eine schwere Funktionärskrise. Daher können wir auch nichts bewegen. Reden wir über Austria Wien. Wenn ich höre, was dort für Schulden aufgebaut wurden, wie viele Fehlentscheidungen und wie viele Fehleinkäufe getroffen worden sind, dann verstehe ich nicht, wie Leute wie ein Markus Kraetschmer noch auf ihrem Posten sind. Das würde in keiner Firma funktionieren.

Würdest du übernehmen, wenn man es dir anbietet?

Jetzt nicht mehr. Ich bin bei der Wiener Viktoria gut aufgehoben. Ich habe keine Ambitionen mehr, Trainer in der Österreichischen Bundesliga zu werden oder einen Verein zu übernehmen. 
»Ich habe keine Ambitionen mehr, Trainer in der Österreichischen Bundesliga zu werden«

Wenn du dir – unabhängig von der Zeit, vom Land oder vom Klub – deine Traummannschaft zusammenstellen könntest, mit der du gemeinsam im Team antrittst, wer wäre im Kader?

Das kann ich nicht aus der Hüfte beantworten. Das müsste ich mir überlegen. Da bräuchte ich schon 15 bis 20 Minuten. Aber: Mit Messi, Ronaldo und van Basten am Feld zu stehen, wäre eine Riesenehre. Das wäre mein Traumsturm.

Wenn du auf deine Karriere zurückblickst: Gibt es Dinge, die du aus heutiger Sicht mit deinem heutigen Wissen anders machen würdest?

Klar gibt’s die, überhaupt keine Frage. Fehler prägen dich, aber natürlich würde ich einiges anders machen. Die meisten Sachen weißt du vorher nicht. Ein Beispiel: Ich habe damals mein Sevilla-Trikot ausgezogen und auf die Ersatzbank geschossen, in San Sebastian. Ich wurde intern damals für ein Spiel gesperrt. Die Fans waren böse auf mich, weil ich das Wappen von Sevilla auf den Boden geworfen habe. Das war mir damals so nicht bewusst, auch wenn ich es hätte wissen müssen. Diese Aktion hat das Zornpinkerl in mir hervorgerufen. Das würde ich sofort rückgängig machen! 

Du bist mit 44 Toren noch immer ÖFB-Rekordtorschütze. Sind solche Statistiken wichtig für dich?

Es ist nicht so, dass ich jeden Tag daran denke. Aber natürlich ist das wahnsinnig schön! Wenn du zu einem Spiel des Nationalteams gehst, auf den Monitor schaust und siehst, dass du auf dem ersten Platz bist – bester Torschütze aller Zeiten! Ich würde lügen, wenn ich nicht sagen würde, dass das etwas Besonderes ist. Irgendwann wird einer kommen, der mich vielleicht übertrifft. Das ist auch in Ordnung so. Rekorde sind dazu da, um gebrochen zu werden. Ich wäre dann der Erste, der gratuliert, so ich die Nummer von demjenigen hätte. Also ja, es macht mich schon stolz. Wenn ich zurückdenke, habe ich so viele Schwierigkeiten gemeistert, so viele Berge erklommen und so viele Leute eines Besseren belehrt. Darauf bin ich stolzer als auf den Rekord. Ich habe es all denjenigen bewiesen, die keinen Gedanken an mich verschwendet haben und die nie daran geglaubt haben, dass ich es schaffen könnte. 

Gibst du das auch deinen jungen Nachwuchsspielern mit? Ist es ein Tipp für junge Menschen? Wenn jemand nicht an dich glaubt, arbeite noch härter! Oder soll man die Kritik auch manchmal annehmen und andere Ziele verfolgen?

Grundsätzlich ist es nie ein Fehler, hart zu arbeiten. Es ist allerdings auch das Vorrecht der Jugend, trotzig und stur zu sein. Dennoch musst du aber offen sein, zu lernen. Ich habe immer die Ohren gespitzt, wenn meine Trainer etwas gesagt haben, und habe schon auch versucht, es so zu machen. Eben, weil ich mir dachte, dass sie es besser wissen. Das war auch gut so. Sturschädel war ich trotzdem auch immer. Und auch das war gut so. Ich hatte Spaß an dem, was ich gemacht habe. Die harte Arbeit war damit nicht so zu spüren. Damit geht man dann auch leichter über die Schmerzgrenze drüber. Ich weiß, dass das nicht immer geht, aber idealerweise macht man das, was einem richtig Spaß macht. Dann ist man auch bereit, härter dafür zu arbeiten. 
Toni Polster im Interview

Gibt’s etwas, das du nicht geschafft hast, allerdings gerne erreicht hättest?

Mein Ziel war es, als Trainer genauso erfolgreich zu sein, wie ich es als Spieler war. Wenn ich nachdenke, was ich als Trainer erreicht habe, ist es für mich völlig verwunderlich, dass ich nicht schon lange im Ausland bin oder Trainer in der Bundesliga. Die Erfolge, die ich als Trainer hatte, kann kaum jemand vorweisen innerhalb der österreichischen Bundesliga. Es ist mir völlig schleierhaft, wie manche Bundesligatrainer sein können. Manche Namen habe ich davor nie gehört. Warum wir überhaupt aufs Ausland zurückgreifen, obwohl wir viele gute Trainer in Österreich haben, ist mir schleierhaft. Ich habe aufgehört, darüber nachzudenken, weil ich es nicht ändern kann. Wenn ich mir anschaue, wer dort trainiert und wer nicht, trotz Erfolgen, ist es kein Wunder, dass wir international unter »ferner liefen« aufscheinen. Ich habe es akzeptiert, ist okay für mich. 

Kannst du Leserinnen und Lesern, die mit Fußball nichts am Hut haben, erklären, was am runden Leder so faszinierend ist?

Ein Fußballspiel ist wie das Leben selbst. Es ist unvorhersehbar. Du kannst mit deiner Mannschaft mitleiden und mitfiebern. Es ist wahnsinnig spannend, weil du nie weißt, wie es ausgeht. Fußball war für mich die beste Lebensschule. All das macht die Faszination aus.

Wenn du kein Fußballer geworden wärst, was hättest du stattdessen gemacht?

Ich habe bei den Wiener Verkehrsbetrieben Industriekaufmann gelernt. Wahrscheinlich wäre ich also Beamter geworden. Für mich war allerdings von klein auf klar, dass ich es schaffen kann und werde, als Fußballer Karriere zu machen. Niemand hat es mir zugetraut und alle habe ich eines Besseren belehrt. Als ich ins Ausland gegangen bin, haben alle gesagt, dass ich das ruhig machen soll, weil ich eh bald wieder zurück sein werde. Am Schluss war ich der mit dem längsten Auslandsaufenthalt. 

Woher kommt das? Dieses negative Runtermachen statt einer positiven Bestärkung?

Es scheint unsere in Österreich tief verwurzelte Mentalität zu sein. In 20 Jahren wird man wahrscheinlich noch besser begreifen, was ich alles geschafft habe und welche Rekorde von mir aufgestellt wurden. Unsere Mentalität ist eher die, einem, der am Boden liegt, einen Tritt zu geben und ihm auch noch die Uhr abzunehmen, weil er die eh nicht mehr braucht, wenn er schon unten ist.

In Wien lassen s‘ dich erst hochleben, wenn du tot bist.

(grinst)

Zum Abschluss: Wie geht’s dir eigentlich damit, wenn du parodiert wirst – beispielsweise von Stimmenimitator Alex Kristan?

Nur die Großen werden parodiert. Von daher kann ich ganz gut damit leben.

Imitation soll die höchste Form der Anerkennung sein.

Den Satz muss ich mir merken, der ist sehr schön. (grinst)

Lieblings-

Buch: Prinzipiell lese ich Biografien von Leuten, zu denen ich einen Bezug habe und die ich kenne, wie beispielsweise Prohaska, Happel, Effenberg oder Guardiola.
Film: Generell Krimis
Song: Ich bin durch meine Eltern ein geprägter Schnulzen- und Schlagerfan. Ich kenne alle Julio-Iglesias-Lieder auswendig – sowohl auf Spanisch als auch auf Deutsch. Und beim Silbereisen bin ich auch ganz gut aufgehoben. (grinst)
Schauspieler/in: Karl Merkatz, Elfriede Ott, Ossy Kolmann, Maxi Böhm
Motto: »Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag« und »Tu niemandem etwas an, das du selbst nicht gerne erleiden möchtest«
Autor/in: Ich habe keine Geduld, um Bücher zu lesen.
Serie: Kriminalserien, die von wahren Geschichten handeln.
Stadt: Wien, Köln, Sevilla
Land: Österreich
Gericht: Grundsätzlich bin ich so erzogen worden, dass ich alles esse, was auf den Tisch kommt. Aber mit Hausmannskost macht man bei mir nichts falsch.
Getränk: Bier

Persönliches Mitbringsel

Ein Schutzengel, den ich von meiner Tochter geschenkt bekommen habe. Den hat sie mir geschenkt, als sie sieben oder acht Jahre alt war. Damals war ich noch aktiv und bin durch den Fußball viel in der Welt herumgeflogen. Sie meinte damals, dass ich einen Schutzengel brauche, weil ich so viel unterwegs bin. Seitdem begleitet mich dieser Schutzengel meiner Tochter. Bis jetzt hat er mir immer viel Glück gebracht.
Schutzengel von Toni Polster

Schönstes und negativstes Erlebnis der vergangenen Woche

In Zeiten der Lockdowns ist jeder Tag irgendwo gleich. Frühstücken, Zeitung lesen, mit dem Hund gehen, Mittagsschläfchen, wieder mit dem Hund gehen, Abendessen, mit dem Hund gehen und dann fernsehen. Ein bissl langweilig.

Berufswunsch als Kind

Fußballer

Wen wolltest du immer schon einmal treffen?

Im Prinzip habe ich keine Wünsche offen. Ich habe Thomas Muster, Franz Klammer und Niki Lauda getroffen. Den Papst zu treffen, wäre lustig. Wenn’s nicht passiert, ist’s aber auch kein Malheur.

Teenie-Schwarm

Samantha Fox oder Tina Turner. Wenn wir über Vorbilder oder Idole sprechen, war das Hans Krankl. An dem musste man sich orientieren, weil er der Beste war. Ich wollte immer so gut wie er werden, auch wenn er bei Rapid war. Zu meinen anderen Helden gehörten Peter Alexander, Wolfgang Ambros, Rainhard Fendrich oder auch Peter Cornelius.

Café-Bestellung

Leitungswasser

Ort des Interviews

Dirtwater
Das Dirtwater befindet sich in der Kandlgasse 35 in 1070 Wien und kann guten Gewissens als Hattrick der Konsumation beschrieben werden, um es im Fußballerjargon auszudrücken. Es handelt sich nämlich untertags nicht nur um ein Café und abends um eine Bar, sondern ist zugleich eine Hilfsorganisation. Soll heißen? Das Dirtwater bietet – laut eigenen Angaben – nicht nur geilen Kaffee, regionale Schmankerl und erfrischende Drinks an, sondern spendet 100 Prozent des Gastro-Gewinns für Trinkwasserprojekte in Asien. Daher der Name »Dirtwater« – mithilfe von Konsumation soll dreckiges in sauberes Wasser verwandelt werden. Also: Beim nächsten Kaffee nicht nur genießen, sondern auch Gutes tun!