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Kreiml & Samurai im Gespräch mit Talkaccino
Kreiml & Samurai

Dialekt-Rapper

Kultur
04.11.2020
Kreiml & Samurai san zwa Rapper aus Wean. Rappen tuans in Mundoat üwa Lipizzana, Lebakas, Wiaschtlständ und raunzate Leit. Net nua, owa scho ollawei. 2019 woan s’ dafia glei zwamoi fian Amadeus Austrian Music Award nominiert. G’wunna hom s’ zwoa net, owa in Wean lossn s’ an hoit erst hochleb’n, wonn s’ di mim 71er ham fian. Drauf g’schissn, heit geb’n sa se d’Ehr fia a bissl palavern. Des wird olladings net im Dialekt owadraht – weg’n da Lesboakeit warat’s.

In Anspielung auf euren Song »Wiener«: Ist eure positivste Seite die Negativität?

Kreiml: Kommt auf die Tagesverfassung an. Die Positivität kann schon auch mal die negativste Seite sein.

Samurai: Das Sudern und Granteln hat etwas Befreiendes und Gesundes und kann damit etwas sehr Positives sein. Auch wenn’s für jemand Außenstehenden etwas anders wirkt.
»Das Sudern und Granteln hat etwas Befreiendes«

Man sagt ja, dass Leute, die am grantigsten sind oder sich am öftesten aufregen, zu den Intelligentesten zählen. Demnach müssten die Wiener IQ-Weltmeister sein.

Samurai: Der Wiener ist so ein bissl das Gegenstück zum Ami. Es geht einem eh gut, aber man raunzt halt. Wenn’s dem Ami scheiße geht, hält er sein Grinsen trotzdem aufrecht. Untertreibung ist vielleicht besser als Übertreibung.

Wenn man den amerikanischen Dialog »Hello, how are you doing?« – »Great!« mit dem Wiener Dialog »Servas, wie geht’s da?« – »Oasch!« vergleicht, ist also eigentlich das Gleiche gemeint?

Samurai: Genau, und beiden geht’s wahrscheinlich gleich g’schissen oder awesome! 

Kreiml: Um auf die Frage mit der Intelligenz zurückzukommen – ich glaube nicht, dass man das so auf die Intelligenz zurückführen kann. Es erinnert mich an eine Aussage vom Markus Rogan. Der meinte, dass man bei weniger Intelligenz mehr Erfolg im Sport hat. 

Samurai: Frei nach dem Motto »Dumm fickt gut!«.

Kreiml: Ich glaube, damals war das ein bissl als Hermann-Maier-Diss gemeint. Rogan hat wahrscheinlich gemeint, dass er zu intelligent für die Goldmedaille war und er daher zweimal nur Silber gewonnen hat. Drum: Ich glaube nicht, dass man das so auf die Intelligenz zurückführen kann.

Euer Wappentier ist der Schweinehund, euer Label heißt Honigdachs, ihr rappt im Dialekt, über Wien und in Kollaborationen. Klingt nach einer aufgelegten Zusammenarbeit mit dem Wiener Original Richard »Mörtel« Lugner und seinen Hasis, Bambis und Mausis.

Samurai: Rappt der? Hätt ich bisher noch nicht mitbekommen. Gefragt haben wir ihn noch nicht. 

Kreiml: Dem ist nichts hinzuzufügen.
Kreiml & Samurai im Interview

In einem anderen Interview habt ihr erzählt, dass – gemessen an den Spotify-Streaming- Zahlen – Berlin und Hamburg zu den Top-5-Städten zählen, was eure Hörerschaft betrifft. Verstehen die Deutschen überhaupt, was in euren Songs vorkommt?

Kreiml: Ich weiß es nicht. Vielleicht sind es ja auch lauter Österreicher, die in Hamburg und Berlin leben und unsere Songs hören. Vielleicht hören uns aber auch die Deutschen. Schwer zu sagen. Wiener Mundart hält allerdings immer mehr Einzug in Deutschland, wenn man sich anschaut, wer in Deutschland aller Konzerthallen füllt. Da sind auch Mundart-Musiker aus Österreich dabei. Im Endeffekt ist es aber auch egal, ob sie es verstehen. Hauptsache, sie gspian’s.

Samurai: Genau, Hauptsache, sie gspian’s. Bei Leuten, die die Sprache verstehen, weiß man ja auch nicht immer, ob sie’s verstehen. Jeder versteht im Endeffekt das, was er will. Ich höre auch gerne Musik, bei der ich den Text nicht immer verstehe, wie zum Beispiel brasilianische Musik.
»Es gibt im Moment nicht viel, wo es einen Druck gibt, außer, wenn man am Heisl sitzt«

Auf die Frage, ob ihr nach euren ersten Erfolgen Druck für weitere Musikproduktionen verspürt, meintet ihr Anfang des Jahres, dass ihr Druck nur am Heisl verspürt. Ist das nach wie vor so – alles leiwand und leicht verdaulich?

Samurai: Es ist einfach die perfekte Antwort auf die Frage.

Kreiml: Eigentlich ist es, was die Musik betrifft, nach wie vor so, auch wenn sich die Zeit ein bissl verändert hat, im Vergleich zum Anfang des Jahres. Es gibt im Moment halt auch nicht viel, wo es einen Druck gibt, außer eben, wenn man am Heisl sitzt. Es gibt keine Live-Shows und die ganze Branche steht still.

Da Wien in eurer Musik eine zentrale Rolle spielt: Welcher Drehort wäre euch für ein Musikvideo der liebste – das Krematorium beim Zentralfriedhof, das Büro des Bürgermeisters, das Hotel Goldene Spinne, die Katakomben im Stephansdom, der Prunksaal der Nationalbibliothek, die Aussichtsplattform am Donauturm oder die Start- und Landebahn am Flughafen?

Samurai: Das Krematorium gefällt mir!

Warum?

Samurai: Des passt zu Wien und ist irgendwie schön – ois hot a End!

Kreiml: Ich würd’ auch das Krematorium nehmen. Es kommt halt immer drauf an, für welchen Song du die Location brauchst. Aktuell gibt es zwar keinen dafür, aber dafür wäre er wahrscheinlich am schnellsten da.

Wie würdet ihr die Wiener Seele beschreiben?

Samurai: Schau ma moi, dann seng ma eh. Das beschreibt’s eigentlich ganz gut.

Kreiml: So könnte man es aufs Klischee runterbrechen. Ob es dann wirklich so eine einheitliche Wiener Seele gibt, ist halt eine andere Frage. Es ist – eh wie wir es sagen – ois a Klischee. 

Samurai: Genau, im Lied »Wiener« geht’s genau darum. Einfach reinhören.
Kreiml & Samurai im Interview

Wenn ihr euch mit einer Wiener Linie vergleichen müsstet – egal, ob Bus, U-Bahn oder Bim –, welche wäre es und warum?

Kreiml: Die U5, weil die nach wie vor eine riesige Baustelle ist. Die hat keinen Anfang und kein Ende. 

Samurai: Das ist auf jeden Fall ein schöner Gedanke! Ansonsten: Irgendein voll g’spiebener Nachtbus. Wurscht, welcher und wohin der fährt. In dem man einschläft und nackert aufwacht.

Ist dir das schon öfter passiert?

Samurai: Nackert nicht!

Aber ang’spieben.

Samurai: (lacht) Auch nicht, aber eingeschlafen und ohne Sachen am Großgrünmarkt aufgewacht.

Kreiml: In der Leopoldau.

Samurai: Wo auch immer. Ich wusste, wohin ich wollte, hab’s aber nicht mehr ganz dorthin geschafft. Die Dinge haben ihren Lauf genommen.
Kreiml & Samurai im Interview

Welche Dialektwörter sollten viel öfter verwendet werden?

Samurai: Den Tschurifetzen sollt man öfter verwenden.

Egal, ob sprachlich oder ...

Samurai: Ja, voll! Auch im nicht sprachlichen Sinne. Gerade jetzt, in diesen interessanten Zeiten, in denen wir leben.

Kreiml: Ich kann jetzt kein einzelnes nennen. Es gibt viele Wörter, die ihren Reiz haben. Tschurifetzen ist schon ein passendes Beispiel. 
»Den Tschurifetzen sollte man öfter verwenden«

Wie beschreibt ihr den jeweils anderen?

Samurai: Hund. Ein leiwander Hund. A guate Haut. Mein Brudi. Familie. Tschurifetzen. (lacht)

Kreiml: Das beruht auf Gegenseitigkeit. (grinst) Ansonsten: mein Lebensmensch.

Und, wos mocht’s heit no so?

Samurai: Des is a guate Frog! Das überlegen wir uns erst nachher.

Kreiml: Schau ma moi, dann seng ma eh.

Lieblings-

Buch: Kreiml: Farbenblind (Trevor Noah), Samurai: Die letzten Tage der Menschheit (Karl Kraus)
Film: Kreiml: Parasite, Samurai: The Big Lebowksi
Song: Kreiml: Ehe (Monobrother), Samurai: La Isla Bonita (Madonna) 
Schauspieler/in: Kreiml: Georg Friedrich, Samurai: Nicholas Ofczarek
Motto: Kreiml: Schau ma moi, donn seng ma eh! Samurai: Da Papa wird’s scho richten. 
Autor/in: Kreiml: Matias Faldbakken, Samurai: Paul Auster
Serie: Kreiml: Kaisermühlen Blues, Samurai: Southpark
Stadt: Kreiml: Wien, Samurai: Athen
Land: Kreiml: Italien, Samurai: Brasilien
Gericht: Kreiml: Lasagne, Samurai: Leberkassemmerl
Getränk: Kreiml: Bier, Samurai: Rum

Persönliches Mitbringsel

Kreiml: Ich habe nichts mit. Was ich mitnehme hätte können: eine Wrestling-Figur.

Samurai: Ich habe meinen Tschurifetzen mitgenommen. (lacht) Na, es ist eine Honigdachs-Haube. Die ist so bissl unser Gang-Zeichen innerhalb der Honigdachs-Familie. Auch im Sommer sind wir mit dem Hauberl unterwegs.

Schönstes und negativstes Erlebnis der vergangenen Woche

Kreiml
Schönstes: Da fällt mir auf Anhieb nichts ein. In der vergangenen Woche gab es jetzt nicht so die Highlights.
Negativstes: Heut in der Früh aufwachen war ziemlich g’schissn, weil der Abend davor etwas länger war als geplant. Ein relatives Erste-Welt-Problem.

Samurai
Schönstes: Das Highlight war ein lustiger Abend.
Negativstes: Der Tiefpunkt war das Nachhause kommen und daham dann a bissl an Stress zu haben. Nach dem Hochmut kommt der Fall ... meistens halt.

Berufswunsch als Kind

Kreiml: Fußballprofi.
Samurai: Musiker.

Wen wolltet ihr immer schon einmal treffen?

Samurai: Wie heißt du nochmals? (lacht) 
Kreiml: Helmut Qualtinger, Falco, Otto Wanz.

Teenie-Schwarm

Samurai: Mei Tschurifetzen. (grinst)
Kreiml: Niemand, den man kennt. Das war jemand aus der Schule.

Café-Bestellung

Kreiml: Cola und Bier
Samurai: Bier

Ort des Interviews

Café Europa
Im Herzen Europas liegt Wien. Und im Herzen Wiens liegt das Europa. Oder zumindest an der pulsierenden Aorta im siebenten Bezirk. Dort pumpt es mittlerweile seit 1984 seine Gäste tagein, tagaus durch den Tag und die Nacht. Es ist ein Szene-Treff für Junge und Alte, für Hipster und Bobos, für Studenten und Young Professionals, für Ur-Wiener und Zuagraste. Das Interieur könnte trotz seiner Abgestimmtheit nicht vielfältiger sein – die gewieft angebrachten Spiegel und Lampen lassen einen aus unterschiedlichen Blickwinkeln tief in den Hasenbau eintauchen. Ein Schmelztiegel für jedermann und jede Frau ... und Schweinehunde sowieso. Wuff & Oink!

Video – Kreiml & Samurai feat. Monobrother: Wiener