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Steve Foster im Interview
Steve Foster

Tätowierer und Eigentümer von Penetration Inc.

Gesellschaft
24.07.2020
Steve Foster ist Tätowierer und Eigentümer des Tätowierstudios Penetration Inc. sowie Vorstandsmitglied der Innung der Tätowierer und Piercer. Sein Spitzname in der Szene: »Skinelectrics«. Zu seinen Spezialitäten gehören Cover-ups, also großflächige Tätowierungen, die über bereits bestehende Tattoos gestochen werden, um diese gezielt zu überdecken und mit neuen Motiven aufzuwerten. Steve Foster ist ein verantwortungsvoller Umgang wichtig, weswegen vor jedem Tätowierprojekt ein Gespräch zur Abklärung geführt wird – Motiv, Hautbeschaffenheit, Struktur, Alter und Stil werden im Detail abgeklärt.

Tätowierer und Chirurgen sind die beiden einzigen Berufsgruppen, die den Körper eines Menschen nachhaltig auf legalem Weg verändern, sobald sie Hand anlegen. Was für ein Gefühl ist das?

Nach 18 Jahren Erfahrung hat man dann schon eine gewisse Routine und Ruhe. In der Anfangszeit herrscht allerdings schon ein enormer Druck auf einem. Je verantwortungsvoller man dem Tätowieren gegenübersteht, desto höher ist der Druck. Eben weil man das Leben eines Menschen nachhaltig verändert. Und das auf unterschiedliche Arten und Weisen. Das eine ist natürlich das Erscheinungsbild. Aus der Betrachtung der Gesellschaft hat das etwas – mal mehr, mal weniger – mit Akzeptanz zu tun. Auf der anderen Seite steht der gesundheitliche Aspekt. Wenn man das nicht berücksichtigt und nicht im Bilde über die Risiken ist, kann man auch auf diese Weise das Leben eines Menschen nachhaltig verändern. Im Anfangsstadium eines Tätowierers ist das bis zu einem gewissen Grad sicherlich belastend. Bis man eben eine Routine entwickelt hat.
»Als Tätowierer verändert man das Leben eines Menschen nachhaltig«

Aber ist es nicht auch gerade die Routine, die einen gewissen Schlendrian einkehren lässt?

Nein. So weit muss man sich schon vor Augen halten, was man tut und welche Auswirkungen es haben kann. Wenn man über die Jahre jeden Handgriff seziert und hinterfragt, entwickelt man eine gewisse Automatisierung, die Hand und Fuß hat. Du kannst mich um zwei Uhr früh aufwecken, hinstellen und es wird nichts Schlimmes passieren.

Also gibt es bei dir auch keine Tage, an denen zu sagst, dass du heute nicht arbeitest, weil du zum Beispiel nicht ausgeschlafen bist oder irgendetwas Privates vorgefallen ist und du daher besser nicht tätowierst, weil du unkonzentriert bist?

Nicht von der psychischen oder mentalen Seite. Das Tätowieren ist etwas, das mich immer positiv beeinflusst. Selbst wenn ich schlecht drauf bin, funktioniere ich im Fluss der Arbeit. Ich könnte das wahrscheinlich sogar zu therapeutischen Zwecken machen. Und dadurch, dass ich keinen ausschweifenden Lebensstil pflege, kommt es auch nicht vor, dass ich übernachtig ans Werk gehe. Meine Freizeitaktivitäten habe ich von abends und nachts eher auf den Tag verlegt. Ich fange nachmittags um 14:00 Uhr an zu arbeiten. Vormittags gehe ich allen Notwendigkeiten nach sowie sportlichen Betätigungen. Da bin ich dann also allemal fit und ausgeschlafen.

Wie oft hast du dir gedacht, dass die Person, die von dir gestochen wird, es später aufgrund des Motivs einmal bereuen wird, sich unter die Nadel gelegt zu haben?

Das lässt sich schwer beantworten. Im frühen Stadium meiner Karriere gab es wahrscheinlich mehr davon. Das habe ich damals allerdings wahrscheinlich nicht bewusst wahrgenommen, sonst hätte ich es nicht gemacht. Ich glaube somit, fast alles verantworten zu können, was ich jemals gemacht habe. Bei ernsthaften Zweifeln lehne ich ab.
»Wir machen Tätowierungen, wir machen keine Tattoos«

Wie oft kommt es vor, dass du ablehnst?

Bei uns im Studio wird nicht einfach spontan drauflostätowiert. Wir bedienen überwiegend ein Segment, das größere Projekte anstrebt. Ich sage gerne: »Wir machen Tätowierungen, wir machen keine Tattoos.« Es handelt sich damit von Haus aus schon mal um Leute, die großflächiger planen. Das sind dann nicht so sehr die Trend-Tätowierungen, sondern die Sachen, bei denen in der Regel schon ein bisschen mehr dahintersteckt. Dem geht dann auch ein Gespräch voraus, bei dem erörtert wird, was passieren soll, um was für ein Motiv es sich handelt, was die Intention dahinter ist. Oftmals wird es mit Bedeutungen verknüpft. Manchmal geht es auch nur um die Optik und um nichts Tiefsinnigeres. Das hat natürlich auch seine Berechtigung. Aber es ist eben schon zielführend und wichtig, sich ein Bild zu machen, um das abzuklären. Auch im Fall, dass der Klient noch keine Tätowierungen hat, ihn darüber aufzuklären, wie die Abläufe so sind. Worauf zu achten ist. Auch um etwaige Krankheiten abzuklären, die Kontraindikationen zum Tätowieren bedeuten könnten. Und es geht natürlich auch ums persönliche Kennenlernen. Um zu wissen, ob es zwischen Tätowierer und Kunde auf der menschlichen Ebene passt. Wenn die Chemie nicht passt und dann verbringt man mehrere Stunden über mehrere Sitzungen miteinander, ist das eher schwierig. Es gibt mehr Dinge, die wichtig sind, als nur die Qualität der Tätowierung. Damit das Ganze zu einem Erlebnis wird, das man nicht bereut. Man ist einem gewissen Schmerz ausgesetzt. Das liegt in der Natur der Sache. Aber das wird eben auch kompensiert durch die Vorfreude darauf, was man erwartet. Es ist ein Gesamtpaket, bei dem man sich wohl fühlen muss. Und das trifft für beide zu. Für den Tätowierer, um die bestmögliche Arbeit abliefern zu können. Für den Kunden, um das Martyrium ohne negative Feelings in Erinnerung zu behalten.
»Wählt Motive, die zeitlos sind«

Gibt es Tätowierungen an dir, die du bereust?

Hm. Würde ich so nicht sagen. Es hat schon alles seine Berechtigung, so wie es ist. Meine erste Tätowierung liegt jetzt über 30 Jahre zurück. Damals war alles ganz anders. Ich versuche meine Klienten in die richtige Richtung zu lenken, aufgrund meiner persönlichen Erfahrungswerte. Im Sinne von: dass sie sich die richtigen Fragen stellen. Früher war es eben so, dass du dir Schritt für Schritt deine Tätowierungen anbringen hast lassen. Ich versuche heute die Leute dazu zu bewegen, größer zu denken. In Konzepten zu denken. Ein Körperteil, ein Thema. Damit das Ganze zusammenhängend und stimmig ist.

Vielleicht ein Beispiel: Ein junges Mädchen mit 18 Jahren will sich »Hello Kitty« stechen lassen, weil sie das liebt, seit sie klein ist. Weil das süß und lieb ist. Auf einem 18-jährigen Mädchen wirkt das wahrscheinlich noch entzückend. Aber jeder Mensch wird älter. Das ist einem als junger Mensch oftmals gar nicht so bewusst. Auch wenn man glaubt, ewig jugendlich und frisch zu bleiben und niemals so wie seine Eltern oder Großeltern zu werden … bis zu einem gewissen Grad wird das doch passieren. Dahingehend probiere ich, die Denkprozesse der Klientinnen und Klienten anzuregen. Wählt Motive, die zeitlos sind! Das heißt aber nicht, dass es etwas Nichtssagendes sein soll, wie das notorische Arschgeweih.

Auch wenn man noch sehr jung ist, ist es ratsam, sich Erwachsenenmotive zu wählen oder Thematiken, bei denen vorhersehbar ist, dass man sich identifizieren kann oder gut klarkommt damit, auch wenn man sich selbst verändert.
Steve Foster im Interview

Meine Schwägerin hat für sich eine Regel gewählt, die sie später auch einmal ihren Kindern vermitteln wird. Sie meinte, dass zwischen Wahl des Motivs und der tatsächlichen Umsetzung zumindest ein Jahr vergehen soll. Wenn man es dann immer noch will, dann passt es.

Es ist trotzdem keine Garantie. Die 100-%-Garantie gibt es auch nicht. Man weiß nicht, wie sich das Leben entwickelt. Man weiß nicht, wie man sich selbst entwickelt. Was klar ist: Je mehr Faktoren man bezüglich möglicher negativer Auswirkungen ausschließen kann, desto besser. Eine gewisse Reue bezüglich einer Motivwahl sollte eine möglichst geringe Wahrscheinlichkeit haben.

Wenn du an die erste von dir gestochene Tätowierung zurückdenkst: Wen hast du tätowiert, was war das Motiv und warst du zufrieden mit deiner Arbeit?

Das war ich selbst. Das Motiv war ein Totenkopf auf den Beinen. Ich habe ihn auch noch. Sie war erstaunlich unhässlich.

Warum ein Totenkopf?

Das ist so mein Ding. Ich habe etliche davon.

Hat das etwas mit Anti-Establishment zu tun?

Ja, mit Sicherheit! Wenn ich jetzt unbedingt etwas Bedeutung hineinpacken will, ist es im Wesentlichen auf das reduziert, was wir sind. Das Skelett ist unser Gerüst. Von dorther kommen wir, dorthin gehen wir zurück. Aber im Prinzip: Mir gefällt’s einfach. Ein Totenkopf bietet unglaublich viele gestalterische Möglichkeiten. Struktur. Licht-Schatten-Spiele. Zig Variationen der Darstellung. Es schaut irgendwie immer gut aus.

Wie fühlt es sich an, tätowiert zu werden? Mit welchem Gefühl ist es vergleichbar?

Vielleicht, wie wenn man sich mit Papier schneidet?

Bitte? So ein kleiner, feiner Schnitt?!

Ist ja manchmal auch eine kleine, feine Nadel. Es kommt natürlich auch auf die Nadelgruppierung an. Medizinisch gesehen ist es gleichzusetzen mit einer Schürfwunde.

Ich hätte eher gedacht, es fühlt sich an, wie wenn man sich mit einer Zirkelspitze ritzt und aufreibt, bis man blutig ist.

Mag auch hinkommen. Manche sagen, es ist so, wie wenn man sich epiliert. Diese Erfahrung habe ich aber noch nicht gemacht.

Das habe ich einmal probiert mit dem Epilierer der Ex-Freundin. Schrecklich! Weit bin ich nicht gekommen.

Es ist definitiv mit Schmerz verbunden. Es ist sicherlich ausschlaggebend, mit welcher Einstellung man als Kunde der Sache begegnet. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, je größer der Respekt davor ist, desto angenehmer überrascht ist man, dass es ja doch nicht ganz so dramatisch ist. Diejenigen, die das als lapidar abtun mit einem »Gemma, leg ma los!« … die werden eher erstaunt sein.

Bei dem Respekt, den ich davor habe, müsste ich in extreme Ekstase geraten.

Dann wärst du wahrscheinlich angenehm überrascht. Es gibt natürlich auch den Zeitfaktor. Je länger der Prozess der Tätowierung dauert, desto eher kommst du an den Punkt, an dem es keinen Spaß mehr macht und die Motivation aufgebraucht ist. Wo sich dann auch der Körper mit jeder Pore dagegen sträubt. Optimalerweise hört man spätestens kurz davor auf.

Vergangenen Juni hat eine HTL damit aufhorchen lassen, dass sie »Tätowieren« als Maturafach anbieten will. Wie ist das in der Szene aufgenommen worden?

Offengestanden gar nicht gut! Aufgrund einer sehr blauäugigen Herangehensweise. Sie bilden ansonsten Graveure aus und meinen offenbar, durch die Ergänzung des Angebots die Fachrichtung für Jugendliche attraktiver gestalten zu können. Aus meiner Sicht eine Bauernfängerei. Wie sieht es mit den Hygienegrundlagen aus? Das wird – soweit mir bekannt – nicht unterrichtet, ist allerdings eine Grundlage. Bevor die nicht beherrscht wird, hat niemand eine Tätowiermaschine in die Hand zu bekommen! Es soll auch ausschließlich auf Übungshaut tätowiert werden und nicht am Menschen. Über das Lehrpersonal haben wir auf Anfrage der Tätowiervereinigung keine Auskunft bekommen, da noch keine Entscheidung gefallen sei. Da frage ich mich – zwei Monate vor Semesterbeginn – schon, wer dann den Lehrplan erstellt hat. Das wird vermutlich nicht das A-Team gewesen sein, sondern eher Fachpersonal aus der dritten Reihe. Wer hat die Zeit und die Muße, sich für den Stundenlohn eines Lehrers hinzustellen, wenn man einen gut laufenden Laden hat?

So … und jetzt spinnen wir das Ganze etwas weiter. Du hast ein bisschen auf Übungshaut probiert, die Sommerferien kommen, du hast keinen passenden Ferialjob, gefährliches Halbwissen und entsprechendes Equipment. Zählen wir eins uns eins zusammen. Die Verlockung, auf diesem Weg sein Taschengeld aufzubessern, ist dann wahrscheinlich doch relativ groß. Was noch dazu kommt: Du darfst dich mit 18 erst selbst tätowieren lassen, lernst aber schon mit 15 oder 16 Jahren, jemand anders zu tätowieren. Dir fehlen also wichtige Erfahrungswerte, weil du dich in den Kunden nicht reinversetzen kannst.

Aber muss man als Tätowierer selbst tätowiert sein? Um den Vergleich von vorher nochmals zu bemühen: Müssen Chirurgen selbst operiert worden sein, um den Beruf ausüben zu können?

Wenn du als Chirurg operiert wirst, wird das höchstwahrscheinlich nicht bei vollem Bewusstsein stattfinden. Das heißt, du bekommst das eh nicht mit. Aber das Tätowieren bekommst du mit, und zwar bei vollem Bewusstsein! Du lernst, den Schmerz kennen und die körperliche Anstrengung, und lernst dabei, wie man mit dem Schmerz und der Angst davor fertig wird, wie man das Ganze bewältigt. Mit diesem Wissen kannst du im Bedarfsfall positiv auf den Kunden einwirken. Du entwickelst also eine gewisse Empathie, wobei die auch nur bedingt hilfreich ist. Wenn du die ganze Zeit weißt, dass die Person gerade leidet, wird das fürs Ergebnis nicht sonderlich zuträglich sein, wenn du von Mitleid geleitet bist.
»Skinelectrics« im Interview

Die bisher ältesten Tattoos, mit einem Alter von über 5.350 Jahren, wurden auf einer Mumie gefunden. Nadel und Farbe sind auch heute noch die beiden Hauptwerkzeuge. Wie stark hat sich das Handwerk über die Jahre bis Jahrtausende verändert?

Die Basis ist im Endeffekt dieselbe. Das Medium ist auch dasselbe, die Haut. Die Entwicklungen im technischen Bereich und bei den Farben, dort hat sich einiges getan. Auch bei den Hygienestandards natürlich. Und bei der Motivation, sich tätowieren zu lassen, hat sich auch einiges verändert. Damals war es eine Stammesgeschichte. Dort ging es darum, sich freiwillig dem Schmerz zu stellen. Das bedeutet, dass du mutig bist, weil du dir Verletzungen zufügen lässt. Unter damals hygienisch fragwürdigen Bedingungen, wo Entzündungen und sonstige Probleme an der Tagesordnung waren. Und dann überlebst du das! Das heißt, du hast ein gutes Immunsystem, bist stark und widerstandsfähig. In weiterer Folge bedeutet das: Deine Genetik ist gut! Und das bedeutet, du bist ein guter Anführer und dein Erbmaterial ist hervorragend, und damit ein guter Fortpflanzungspartner. Darum ging es. Das optische Erscheinungsbild, das erzielt wurde, war halt ein Plus. Aber unterm Strich ging es darum herauszufinden, wen man als Anführer oder Reproduktionspartner wählt.

Tätowierungen sind mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Sie sind nicht mehr nur etwas für Häfenbrüder und Punker, sondern auch für Manager und Hausfrauen. (Anm. für alle Leserinnen und Leser: Ja, Klischees! Es gibt natürlich auch die Häfenschwester und den Hausmann, die Rechtsanwältin und die Rockerbraut.) Wie kann man sich den Sinneswandel über die vergangen Jahrzehnte erklären?

Auch wenn das so als Klischee abgetan wird, hat es schon einen gewissen Wahrheitsgehalt. Den Ursprung hatte es, wie vorhin skizziert, bei indigenen Völkern. Damit hatten den ersten Zugang die Seefahrer. Deren Lebensstil war auch nicht unbedingt alltäglich und der gesellschaftlichen Norm entsprechend. Die waren monatelang unterwegs, waren Freigeister und teilweise auch Trunkenbolde. Diese Tatsache ging einher mit einer gewissen Stigmatisierung. Und dann gab es halt wieder Epochen und Zeitabschnitte, in denen Tätowierungen wiederum der sogenannten noblen Gesellschaft nachgesagt wurden. Sisi soll ja angeblich auch tätowiert gewesen sein.

Prinzipiell stehe ich dem Ganzen mit gemischten Gefühlen gegenüber. Es ist mein täglich Brot. Vom wirtschaftlichen Aspekt her müsste ich ja überaus glücklich sein, dass mehr als 20 % – oder noch mehr – der Bevölkerung tätowiert sein sollen. Ich bin allerdings nicht bedingungslos glücklich darüber. Das Verruchte und Anstößige ist damit nämlich fast ganz verloren gegangen. Das nimmt dem Ganzen ein bisschen den Zauber. Ich war mit 17 Jahren bereits tätowiert und in meiner Hood einer der Ersten und Wenigen. Da wurdest du mit Konsequenzen konfrontiert. Mir war das schon sehr bewusst! Für mich war es ein natürlicher Filter, der mir unheimlich viele leere Kilometer ersparen würde, mit Menschen, die aufgrund meines äußeren Erscheinungsbildes mit Vorurteilen behaftet waren.

Und heute starten manche gleich mit Tätowierungen am Handrücken oder am Hals oder im Gesicht. Meistens sind das Leute, die einfach krass wirken wollen. Das ist wahnsinnig respektlos den Leuten gegenüber, die Tätowierungen langsam gesellschaftlich etabliert haben, in Zeiten, als sie noch mit einer gewissen Stigmatisierung verbunden waren. Es gibt so ein Sprichwort: »Hals und Hände – erst am Ende.« Und dann gibt es die anderen, die sich ein kleines Tattoo möglichst unauffällig stechen lassen, sich aber auf Facebook und Instagram inszenieren mit dem Hashtag »inked girl« oder »tattoomodel«.

Heute wird viel mit individueller Freiheit und persönlicher Entfaltung getarnt. Man sollte dafür allerdings etwas komplexer sein als ein Einzeller und zu gewissen Denkprozessen fähig sein.

Wenn man sich nun tätowieren lassen will, worauf sollte man achten? Gibt es eine Art »Checklist«, die es abzuarbeiten gilt?

Das ist wiederum der positive Aspekt vom Social-Media-Wahnsinn. Du hast ein mannigfaltiges Angebot. Du kannst also eine umfangreiche Recherche machen. Was gefällt dir, was gefällt dir nicht? Daraus ergibt sich dann ein Pool von Stilen und Tätowierern, die man gut findet. Bei denen sollte man sich dann einen Gesprächstermin vereinbaren, um sein Vorhaben darzulegen und zu diskutieren. Daher: Vorher Gedanken machen, dann den Tätowierer suchen! Es bringt nichts, wenn ich »oldschool« super finde und mir dann einen Realistik-Tätowierer auswähle. Und die persönliche Chemie muss stimmen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis spielt natürlich auch eine Rolle. Wenn man das alles abgeklärt hat, kann man Nägel mit Köpfen machen.

Lieblings-

Buch: Tom Sawyer und Huckleberry Finn (Mark Twain), Das Bermuda-Dreieck (Charles Berlitz)
Film: The Gentlemen – und generell alle Filme von Guy Ritchie, Mortal of Engines: Krieg der Städte
Song: Ich bin ganz schwer »Metal« geprägt. Meine Lieblingsband ist Machine Head.
Schauspieler/in: Willem Dafoe, der frühe Nicolas Cage, der junge Mel Gibson
Motto: Man muss es nehmen, wie es kommt, und dann das Beste daraus machen.
Autor/in: Stephen King
Serie: Mayans MC, The Shield
Stadt: Wien
Land: Österreich, USA, Mexiko
Gericht: meistens mit Fleisch
Getränk: Holundersaft

Schönstes und negativstes Erlebnis der vergangenen Woche

Schönstes: Am Wochenende hatten wir eine Zusammenkunft. Ein Freund der Familie, meine Eltern, meine Schwiegermutter, die Schwester meiner Frau, meine Frau und ich sind alle zusammengekommen. Gerade nach Corona ist das etwas, das ich sehr zu schätzen weiß. Das war definitiv das Highlight der vergangenen Woche.

Negativstes: Wir haben zwei kleine Hunde. Beide sind auf ihre Art und Weise bedient. Der eine hat ein verkrüppeltes Bein. Der andere, eine Hündin, hat ein Problem mit der Bauchspeicheldrüse. Die hatte vergangene Woche einen Anfall von Durchfall. Wir hatten schon mal einen Zeitraum mit ihr, der sehr kritisch war. Daher sind wir da immer sehr hellhörig, wenn mit ihr etwas ist. Aber alles gut ausgegangen. Es war einfach normaler Durchfall.

Berufswunsch als Kind

Architekt. Das war zu einer Zeit, als ich mit drei oder vier Jahren Lego-Häuser gebaut habe.

Wen wolltest du immer schon einmal treffen?

Albert Einstein

Teenie-Schwarm

Pamela Anderson. Mein Frauentyp hat sich seitdem allerdings geändert.

Café Bestellung

Ham and Eggs und Häferlkaffee mit Milch

Ort des Interviews

Cuadro
Das Cuadro befindet sich im so genannten Schlossquadrat in der Margaretenstraße 77 in 1050 Wien, in der Nähe der U4-Station Pilgramgasse. Es beschreibt sich selbst als »hippes Café mit Burger und Cocktails« und will damit »junge Gäste, Künstler und Szene-Publikum« ansprechen. Perfekt also für Interviewpartner Tätowierer Steve Foster. Neben dem Publikum legt das Café allerdings auch Wert auf Qualität und Umwelt. So sind die Marillen laut eigenen Angaben frisch aus dem Burgenland und die saftigen Zwetschken aus der Steiermark, und damit die perfekten Zutaten für hausgemachte Marmeladen und Fruchtsaucen. Das toskanische Brot sowie die Burger Buns werden in der eigenen Backstube gebacken und der Chardonnay kommt aus dem Weingarten des Eigentümers. Très bien!

Collagen

zur Verfügung gestellt von Penetration Inc. / Copyright by Steve Foster