Suche in allen Interviews
Abbrechen
Bau- & Society-Löwe Richard Lugner im Gespräch
Richard Lugner

Bau- & Society-Löwe

Gesellschaft
23.03.2021
Beim heutigen Interviewpartner bräuchte es keine einleitenden Worte, da sein Name wahrscheinlich einer der bekanntesten der Republik ist – Richard »Mörtel« Lugner. Jeder kennt ihn, die meisten haben eine Meinung zu ihm. Bekannt wurde er mit Bauprojekten wie der ersten Wiener Moschee, dem Kaufhaus Steffl oder der Lugner City. Im Lauf der Jahre wandelte sich Richard Lugner vom Bau- zum Society-Löwen und er erhielt für seine Auftritte im Fernsehen, am Wiener Opernball und im Zuge von Präsidentschaftskandidaturen Aufmerksamkeit über die Grenzen hinweg.

Der österreichische Milliardär und einstige Billa-Gründer Karl Wlaschek sagte zu Lebzeiten: »Beim G’schäft bin i guat, bei de Weiber bin i a Depp.«

Ich kenne den Ausspruch von ihm persönlich, weil ich gut mit ihm befreundet war. Vor 37 Jahren habe ich ihm ein Haus gebaut, in dem ich jetzt wohne. Zu meinem 50. Geburtstag hat er mir von zwei Fleischhauern eine Wildsau gebracht, mit 50 Jägermeistern drin, und hat gesagt: »Die Wildsau der Wildsau!« (lacht) Und dann hat er gefragt, ob ein paar Hasen hier sind, weil er sich am Montag scheiden lässt. Zum Zitat: Der Wlaschek hat einfach denken können. Wenn man die Lösung hat, gibt es meist kein Problem, aber einfallen muss sie einem erstmal. Der Wlaschek konnte unheimlich scharf denken. Wenn man das kann, ist die Lösung ganz einfach. 

Viele Leute meinen, Sie seien ein begnadeter Selbstvermarkter, andere meinen wiederum, Sie demontieren sich mit Ihren Auftritten in der Öffentlichkeit selbst.

Schauen Sie, wenn man Erfolg hat, hat man Neider. Dass mich Leute ablehnen, ist klar. Am Opernball sind viele tolle Leute, die mich alle grüßen und alle Selfies mit mir machen wollen. Wenn ich mit meinen Stars tanzen gehe, machen mir alle Platz. Also, ich werde schon auch akzeptiert, wenn es freilich auch Leute gibt, die mich absolut nicht wollen. 

Sie hatten in den vergangenen Jahren durchwegs deutlich jüngere Partnerinnen. Gab es jemals eine Altersgrenze?

Die Grenze liegt jetzt bei 40 Jahren und nicht darunter. Wenn eine 40 ist, ist sie immer noch 48 Jahre jünger, als ich es bin. (grinst)

Seit den 90ern sind Sie bekannt dafür, internationale Stars für den Opernball nach Wien zu holen. Auf Ihrer Gästeliste standen Paris Hilton, Roger Moore, Pamela Anderson, Grace Jones, Sophia Loren und noch viele andere. Wen hätten Sie gerne einmal als Gastgeber begrüßt, wozu es allerdings nie gekommen ist?

Ganz am Anfang wollte ich Liz Taylor haben. Ich habe damals alle möglichen Quellen angezapft, was ich danach nie wieder gemacht habe. Eine Agentur hat nichts zustande gebracht, ihren Skilehrer in der Schweiz habe ich ausfindig gemacht, eine ihrer Verwandten habe ich kontaktiert – alles hat nichts gebracht. 
Richard Lugner im Interview

Wenn Sie den Opernball nicht nur als Gast besucht hätten, sondern sogar Organisator gewesen wären, was hätten Sie anders gemacht?

Der Opernball wird von Leuten veranstaltet, die ich nicht kritisiere, weil ich mit denen friedlich leben will.

Also, alles perfekt ohne Verbesserungsmöglichkeiten. 

Meine persönliche Meinung ist, dass ich nicht kritisiere, wie ich auch über meine vergangenen Frauen nicht schimpfe. Ich behalte mir die schöne Zeit und alles andere interessiert mich nicht. 

Sie haben sich im Jahr 2016 für das Amt des Präsidenten beworben. Sind Sie im Nachhinein – Stichwörter »Ibiza-Skandal« und »Corona-Krise« – froh, nicht gewählt worden zu sein, und somit auch nicht mit den Aufgaben des Präsidenten konfrontiert zu sein?

Beim Ibiza-Skandal hat Van der Bellen genau das gemacht, was in der Verfassung steht. Seine Königsidee war, die Bierlein zu finden. Ich kenne sie persönlich, weiß allerdings nicht, ob mir das eingefallen wäre. Das ist das, was ich vorhin beim Wlaschek mit der Einfachheit gemeint habe. Das war von Van der Bellen wirklich eine tolle Idee, das muss man ihm schon lassen. Zur Corona-Krise: Manchmal sollte man hier mehr eingreifen, wenn es aus manchen Regionen wie Tirol heißt, dass dieses oder jenes nicht geht. Da geht es nicht um Politik, sondern um Gesundheit! Hier müssten Entscheidungen getroffen werden, die für die Gesundheit und nicht für die Wahlen von irgendjemandem wichtig sind! Da sollte man als Bundespräsident mehr Stellung beziehen. 

Es wird immer wieder spekuliert, wie reich Richard Lugner ist. Wie schwer ist Mörtel aktuell, am Kies gemessen?

Darüber schweigt er, weil er einen Haufen Schulden hat. 

Wirklich?

Draußen im Sekretariat liegt ein Kreditvertrag über 47 Millionen. Den werden wir die Woche unterschreiben. Ein Teil der alten Schulden ist hier bereits inbegriffen. Wissen Sie, wenn man Erfolg hat, kann man das nicht mit Eigenkapital machen. Angefangen habe ich mit 50.000 Schilling Gehalt und 100.000 Schilling, die ich an der Börse verdient habe. 
Richard Lugner im Interview

Sie werden dieses Jahr im Oktober 89 Jahre alt und sind nach wie vor aktiver als so mancher mit der nur halben Lebenszeit. Dennoch sei die Frage erlaubt: Woran soll man sich erinnern, wenn man zehn Jahre nach Ihrem Tod über Richard Lugner spricht?

Das Einzige, was sichtbar bleiben wird, ist die Lugner City. Dadurch wird man sich vielleicht an mich erinnern können. Sonst habe ich nichts Bemerkenswertes getan. Der Bau der Moschee ist schon lange her. Es gibt genau zwei Tafeln, auf denen steht, was ich gebaut habe. Das eine ist die Moschee, das andere die griechisch-orientalische Kirche am Fleischmarkt 13. 

Sind Sie religiös?

Ich bin römisch-katholisch, habe allerdings nur für fremde Religionen gebaut. (lacht)

Lieblings-

Buch: Ich lese kaum Bücher, außer im Urlaub. In meiner Jugend habe ich Bücher von erfolgreichen Menschen gelesen, wie von Siemens, Rockefeller und Krupp. Das hat mich sicherlich geprägt.
Film: Manche mögen’s heiß, Pretty Woman
Song: Rock ’n’ Roll von Phil Collins und Operetten-Lieder wie aus dem »Zigeunerbaron« mag ich auch ganz gerne. Oder auch »Komm mit nach Varasdin« aus der Operette »Gräfin Mariza«. 
Schauspieler/in: Sophia Loren, Claudia Cardinale, Gina Lollobrigida, Brigitte Bardot
Motto: Es zählt nur der Erfolg.
Autor/in: Irgendwelche Räubergeschichten lese ich nicht, weil mir das nichts bringt. Ich lese momentan gerne über die Geschichte von Österreich und früher über erfolgreiche Geschäftsmänner.
Serie: Dallas
Stadt: Wien, Florenz, St. Petersburg
Land: Meinen Urlaub verbringe ich seit längerer Zeit gerne auf den Malediven. 
Gericht: Austern mit Ketchup
Getränk: Grüner Veltliner

Persönliches Mitbringsel

Eine Kappe mit der Aufschrift »Gemma Lugner!«, die nicht meine Erfindung war. Irgendwann einmal hat eine Zeitung geschrieben, dass der Lugner Schuld daran ist, dass die deutsche Sprache verhunzt wird. Statt »Gehen wir in die Lugner City!« haben die Leute »Gemma Lugner!« gesagt. Daraufhin meinte ich, dass wir das als Werbespruch nehmen.
Richard Lugner im Interview mit Kappe

Schönstes und negativstes Erlebnis der vergangenen Woche

Schönstes: Über einen Aufruf der Zeitung »Österreich« haben sich einige Frauen bei mir gemeldet, da ich wieder Single bin. Ich habe alle außerhalb von Wien und alle unter 40 aussortiert. Da sind einige interessante Frauen dabei. Ansonsten haben wir den Kreditvertrag bekommen. Und gegen Corona bin ich auch schon einmal geimpft.

Negativstes: Negative Erlebnisse habe ich keine. Ich nehme negative Ergebnisse nicht wahr. Selbst wenn ich einen Haufen Geld verliere, was immer wieder einmal vorkommt, werde ich nicht griesgrämig. Das vergesse ich wieder und schaue, dass ich es mit einem anderen Erfolg kompensiere. Meine Ärzte haben mir bestätigt, dass, wenn man das Negative wegschickt und nur ans Positive denkt, sich das im Gesichtsausdruck auswirkt. Der Körper ist eine chemische Fabrik. Wenn man immer fröhlich und gut gelaunt ist, erhält man sich die Jugend mehr. Es gibt ja Leute, die einem schon z’wider sind, wenn man sie nur anschaut. Wenn ich in Schwierigkeiten bin, entwickle ich zusätzliche Kräfte. Ich hatte immer wieder große Probleme und habe sie alle durchgestanden.

Berufswunsch als Kind

Mein Vater wollte, dass einer von uns Brüdern Rechtsanwalt wird und einer Gutsbesitzer.

Wen wollten Sie immer schon einmal treffen?

Momentan bin ich die ganze Zeit im Büro und habe nicht mehr viel Kontakt zu anderen Leuten. Meinen Vater habe ich mit zehn Jahren verloren. Mein erster Chef war damals, ohne dass er es wusste, ein Vaterersatz. Später hatte ich erfolgreiche Unternehmer als Vorbilder. In der aktuellen Zeit gibt es niemand Speziellen, den ich gerne treffen würde. Die aktuellen Politiker kenne ich alle. Ich bin auch nicht mehr so aktiv, dass ich irgendwelche Wirtschaftsgrößen kennenlernen würde. Wen ich noch kenne, ist der Chef von Jacques Lemans. 

Teenie-Schwarm

Meine erste Frau war viel zu jung für mich, in die habe ich mich allerdings verliebt. Davor, in der HTL, waren bei der Aufnahmeprüfung 120 Bewerber und fünf Mädchen. Ich hatte das Glück, in die Klasse zu kommen, in der die fünf Mädchen waren. Am Nachmittag bin ich einmal mit den beiden schönsten vom Schwarzenbergplatz bis zum Parlament gegangen. Das war ein Erlebnis, auf das ich schon stolz war. (lacht)

Café während des Interviews

Wiener Melange

Ort des Interviews

Lugner City
Das Interview mit Richard Lugner hat – wie sollte es anders sein – in der Lugner City stattgefunden. Neben dem Lugner Kino, diversen Shops, Supermärkten und unterschiedlichen Gastro-Angeboten befinden sich in der Lugner City auch Arztpraxen und Büros, wie unter anderem das von Richard Lugner.